„Das Verbotsgesetz ist eine Straftat“

Das Lieblingsmöbel der Österreicher ist der „Runde Tisch“. Oben sitzt man beengt Ellenbogen an Ellenbogen, aber unten ist viel Platz für all die Sachen die man fallen lässt. Selbst der Film „Der Aufschneider“ endet an einem „Runden Tisch“, da sind sie wieder vereint, Freund und Feind, Betrüger und Betrogene, Demütiger und Gedemütigte, während draußen das Böse – in Gestalt von Piefkes und anderen Ausländern, das Weite sucht.

Gestern gab es auch wieder einen runden Tisch im ORF. Aktueller Anlass: Die beispiellose Verletzung des Redaktionsgeheimnisses durch die Justiz. Für die Machiavellisten unter uns: Tolles Anschauungsmaterial. Die Justiz entsandte als Diskutantin – die in diesem Fall völlig unbeleckte Wiener Staatsanwältin Marie-Luise Nittel, die außer: „Ich kann zu diesem Fall nichts sagen, da ich ihn nicht kenne“ eigentlich nichts beisteuerte. Wäre vielleicht ein Grund gewesen, die Frage zu erörtern, warum sie überhaupt in der Runde sitzt? Aber wozu? Das macht – und das weiß hierzulande jedes Kind – keinen Sinn. Darauf gibt es keine Antwort. Und Macht ist eben Macht, und Macht zeigt man am Besten in der Missachtung der demokratischen Regeln. Und weil man doch, um Gottes Willen nein! keinen Konflikt wollte, spielten alle schön mit, und taten so, als wäre alles völlig normal.

Nun, so ist das hier.

Dann sagte die Frau Nittel doch noch was. Nämlich: „Es ist auch das Verbotsgesetz eine Straftat!“

Eigentlich würde man erwarten, dass Frau Nittel sich korrigiert oder zumindest ein Mitdiskutant nachhakt, die Moderatorin, ein Kabelträger, Kameramann, irgendwer. Aber nichts.

Also wird’s wohl stimmen. „Das Verbotsgesetz ist eine Straftat.“

Das mag dem Volksempfinden sehr nahe kommen.

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