Ein Politiker übernimmt Verantwortung

sagt er. Falls die Öffnungssache im Burgenland schief geht, übernehme er „politische Verantwortung“, meint der Polito Fürst.

Nun ja, wir wissen inzwischen wie heutzutage „politische Verantwortung“ wahrgenommen wird. Wo sich vor hundert Jahren „Verantwortungsträger“ bei Versagen entleibt und noch vor 40 Jahren, Politiker „den Hut genommen“ haben, ist heute das Übernehmen von politischer Verantowortung ein rein verbaler Akt.
„Ich übernehme die Verantwortung“ wird in den Medien gesalbadert, und damit hat es sich auch schon. Das war’s. Nicht mal Zerknirschung, gechweige denn Rücktritt.

Die Verantwortung, wenn’s schief geht, tragen andere : Nämlich die Arbeitenden in den Spitälern, die schon kein Zahnfleisch mehr haben, um darauf zu gehen.

So fuck yourself mit deiner Verantwortung!

Alkoholiker mit Botschaft: Alle Alkoholiker sind schön mit Wanderstock

(Dieser kleine Texte erreichte die Redaktion heute morgen. Wir sind überzeugt von Unbedingtheit und Wichtigkeit.)

Jakob Hanger und Sid Blaha sind leidenschaftliche Wanderer. Und sie sind Alkoholiker. Die beiden fordern mehr Akzeptanz und einen unverkrampften Umgang mit dem Thema.

Drahtig, athletisch, sportlich – die Liste an Attributen, die man Wandernden gemeinhin zuschreibt, ist lang. Das Wort Alkoholiker ist bislang für die meisten eher nicht dabei gewesen. Genau dieses fehlende Bewusstsein wollen die Österreicher Hanger und Blaha schaffen, indem sie offen mit dem Thema Wanderer-Alkoholismus umgehen.

Hanger und Blaha erklären darin, dass ihnen bewusst ist, wie emotional das Thema diskutiert wird. Dennoch scheuen sie diese Auseinandersetzung nicht. Denn „solange es keine Bilder von Alkoholikern auf Wanderwegen gibt, werden alkoholisierte Menschen sich nicht trauen zu wandern“. Sie wollen dem Wort Alkoholiker, das zeitlebens gegen sie verwendet wurde, seine negative Konnotation nehmen. Es solle einfach nur mehr eine Eigenschaft beschreiben, ohne zu beleidigen: „So wie blond, groß oder klein.“ Sie wollen sich auch nicht dafür rechtfertigen müssen.

Bedürfnisse alkoholisierter Wanderer sichtbar machen

Wie eine Kurzdoku zeigt, sind die beiden Männer leidenschaftliche Wanderer.
Und es für sie nicht mehr hinnehmbar, dass sie bei einer Einkehr schief angesehen werden, wenn jeder ein oder zwei Liter Wein trinkt. Ganz zu schweigen von den Kommentaren, die Anwesende tuschelnd austauschen. „Es braucht“ so Blaha, „endlich eine offene Diskussion über die Bedürfnisse von Alko-Wandern.“
Er nennt konkret „Rabatte bei alkoholischen Getränken, freie Alka-Seltzer bei Heurigen und Alkoholiker gemäße Speisen, sowie eigene, richtig ausgestattete Rauschauschlafplätze.“

„Darüber“ doppelt Hanger nach, „ muss endlich offen und ohne Tabus diskutiert werden.“

Sie ist nicht mehr da

Sie ist nicht da
Seit Tagen nicht da
wo sie doch immer da ist
im Dienst, schon früh morgens
In ihrem langen Rock, den langen Flatterhaaren
ihrer fleckigen Wildlederjacke und
ihrem verschrumpelten, schmutzigen Kaffeebecher.

Sie ist ein Garant für gute Laune
sie lächelt und winkt mir schon
von Weitem zu.
Kein Wunder.
Ich bin vermutlich ihr bester Kunde.

Wenn ich an ihr vorbei gehe und
im Supermarkt verschwinde
redet sie in einem fort auf mich ein.
Ich sage nie mehr als ein paar freundliche, nichtssagende Floskeln.
Aber wenn ich wieder rauskomme
werfe ich was in ihren Becher
beinahe immer.

Es ist, als hätte ich ein geheimes Budget für sie
und ihren Bruder und den Alten oben, vor der
ehemaligen Bank.

Aber jetzt ist sie nicht mehr da
und ich mach mir ein wenig Sorgen.
Einerseits.
Andererseits habe ich schon jetzt
eine Flasche Sauvignon Blanc
faktisch umsonst.

Aber es wär mir lieber
sie wär wieder da.

Glück

Ich glaube es war Epikur der
Glück als Abwesenheit von Schmerz
definierte.
Ich seh das auch so.
Mein Schmerz
wird zur Zeit und in Hinkunft
durch Baulärm genährt.

Ewig ewig Jahre.

So bin ich glücklich
wenn ich schlafe.

Meinungen in Austria

„Jeder Zweite zweifelt an Meinungsfreiheit in Österreich“, war heute eine Schlagzeile im „derStandard“.
Man könnte daraufhin folgern – und das ist meine Meinung –, dass jeder Zweite in Österreich ein Schwachkopf ist. Mit seiner Meinung hinterm Berg zu halten, heißt noch nicht, dass man sie nicht äußern darf, wie stupid, faschistisch, dämlich, blöd, irrsinnig, töricht, abgefahren und abgefuckt, säuisch, idealistisch oder dumm sie auch sei.

Das Sprüchemuseum (125)

„Hauen Sie ab aus den sozialen Medien, verplempern Sie ihre Lebenszeit nicht mit Hetze und Gebrüll, mit Diskussionen, die im Nichts enden. Soziale Medien taugen nur zu einem: Unsere Daten abzuziehen, und die Massen mit Quatsch beschäftigt zu halten.“

Sibylle Berg

Wir sagen: Bei einigen dauert es halt etwas länger bis sie merken, dass die Hoffnungsträgerin einer bestimmten Art von Demokratie, sich längst in eine Müllkippe verwandelt hat.
Ja, so was machen wir. So was können wir. Das sind wir.

Mein Leben

In der äußerst sehenswerten Miniserie auf Netflix „Pretend it’s a City“ von und mit Marty Scorsese über und mit der Autorin Fran Lebowitz, erzählt sie eine Anekdote über einen New Yorker Psychiater, der ihr auf einer Party geklagt hatte, dass er x-Jahre Studium hinter sich gebracht habe, um nun Patienten zu behandeln, die zu 80% aus Menschen bestehen, die unter Lärm leiden.

So wie ich. All day long: Baulärm. Direkt vor dem Fenster. Und im Sommer das nächtliche Gelärme aus den offenen Fenstern der Wohnung von Partyholes.

Das ist der Blick aus meinem Fenster, unter dem normalerweise Saugbagger, Betonmischer, Zementmischmaschinen stehen und tun was solche Dinge tun: Lärmen. Im Chor mit Flex, Winkelschleifern, Presslufthämmern und Schleifmaschinen. 6 Tage die Woche.

Und mia ham auch noch Lockdown, was bedeutet, dass ich auch nicht – wie es die Autorentradition in Wien verlangt – ins Kaffehaus gehen und arbeiten kann. Es ist zu.
Kurz-mittel- und längerfristig ist keine Änderung zu erwarten.
Es sind Stümper am Werk, Billigsdorfer Baufirmen, die Jahre brauchen werden, um die Häuser zu renovieren.
Mein Ohnmacht ist beinahe total.
Aber ich weiß auch nicht, wie mir da ein Psychiater helfen könnte.
Vielleicht so wie in dem Witz:
Fragt der Freund, den Psychiaterpatienten: „Und was ist, hat der Psychiater geholfen bei deinem Hosenscheiß Problem?“
„Ja.“
„Toll. Scheißt also nicht mehr in die Hose?“
„Doch. Aber jetzt habe ich Freude daran.“

Könnt funktionieren.

Gerechtigkeit

Nun diskutieren sie.
Darüber, ob man für Geimpfte ein „normales Leben“ ermöglichen sollte, was bedeuten würde, dass jene nach Spanien ans Meer fahren könnten, um dort Urlaub zu machen, und so den Untergang Spaniens Wirtschaft verhindern oder verzögern. Nur zum Beispiel. Wenn ja, dann könnte ich nicht hin, und mit mir die große Mehrheit auch nicht.
Das sei eine Ungerechtigkeit die zum Himmel schreit, schreien sie schon überall, das komme nicht in Frage.

Ich denke, sie finden es aus Gründen der Grechtigkeit besser, das alles an Arsch an geht, finden es besser, als einen Nachteil zu ertragen und einem, der das bessere Los gezogen hat, etwas zu gönnen. Ich denke, so sind wir.
Alle und alles muss gleich sein. Auch wenn es niemals so war und niemals so sein wird.

Kleinkarierte, neidische, gierige, an ihrer Selbstsucht verzweifelnde, überflüssige, mental retardierte wachsweiche Arschlöcher, unfähig auch nur über den kleinsten Schatten zu überspringen.