Wollt ihr die totale Normalität?

Der Schrei nach Normalität ist laut und vernehmlich. Schon lange. Ich weiß nicht warum. Es ist doch eh alles normal hier: Kaum etwas funktioniert, nichts was angeordnet wird, man hält sich einen teuren Expertenstab im Ministerium und verordnet dann das Gegenteil von den Expertenempfehlungen, die meisten interpretieren den Lockdown nach Gutdünken, der Kanzler äußert sich rassistisch, die Grünen kuschen, kleinste positive Änderungen werden als Megaerfolg deklariert (Hauptsache es ist Weihnachten und man darf Schifahren) … Ich könnte noch eine Weile so weiterfahren, tus aber nicht. Ich finde, dies doch genug Normalität. Mir reicht sie auf jeden Fall.
Wieviel mehr von dieser Normalität wollt ihr denn noch?

Flaggenbusiness

„Wie geht’s dir denn, in diesen verseuchten Zeiten?“
„Blendend“, sagte sie und lächelte ein Lächeln, das zu einer Preisübergabe gepasst hätte.
„Das hör ich gern“, sagte ich mit schlecht verhohlener Verwunderung. „Wie das? Jetzt wo wir alle darben und in die Pleite schlittern.“
„Fahnen und Flaggen“, sagte sie.
„Fahnen und Flaggen?“, echote ich.
„So ist es“, lächelte sie. „Fahnen und Flaggen.“
„Lass mich nicht dumm sterben …“
„Du siehst doch bestimmt Nachrichten, oder?“
„Tu ich.“
„Na, dann wird doch schon aufgefallen sein, wie oft in arabischen und Nahostländern israelische und amerikanische Flaggen verbannt werden. Neuerlich auch die französische Tricolore.“
„Ja. Und?“
„Na ja, jemand muss diese Flaggen ja auch herstellen. Und diese staatlich geleiteten Proteste und Flaggenverbrennungen, werden meist von Männern abgehalten, die nich mal wissen, wie die jeweilige Fahne des Landes aussieht, die sie vor der Kamera abfackeln müssen. Und da bin ich eben behilflich.“
„Behilflich?“
„Ist der Groschen noch nicht gefallen? – Jemand muss doch diese vielen Flaggen herstellen, damit sie medienwirksam verbrannt werden können.“
„Und das ist ein lohnendes Business?“
„Und wie. Es wird immer besser. Jede weitere Mohammed-Karikatur lässt den Verkauf in die Höhe schnellen. Ich kann also nicht klagen.“
„Freut mich zu hören“, sagte ich noch einmal, und wusste nicht genau, ob ich es auch so meinte.

Garantie

Verschiedene Landesfürsten in A, Tourismusmanager in A und CH garantieren einen sicheren Schibetrieb über Weihnachten.
Ich frage mich, warum nie jemand nachfragt, was diese Garantie bedeutet, beinhaltet, womit sie gedeckt ist? Worin besteht diese Garantieleistung?
Ich nehme mal an, diese „Garantie“ ist in etwa soviel wert, wie der Politosspruch: „Ich übernehme hier die Verantwortung“. Zeitigt dies Konsequenzen?
Bist du blöd! Konsequenzen? Rücktritte? Wo samma denn?

Aber vielleicht wär’s doch die Pflicht von Journalisten mal ein bisschen nachzubohren, wie denn diese „Garantie“ angelegt ist.
Warum? Weil es einfach Nonsens ist. Niemand kann hier etwas garantieren. Außer er gehört zur ÖVP, und hat danach, wenn’s wieder schiefgegangen ist, wieder mal – ganz in der Katholentradition – nichts gewusst oder er schiebt – wechselseitig – die Schuld jemand anderem in die Schuhe.

Schifahren ist nicht, ihr seppeldummen, abgevögelten Holiduliüs!
Es reicht doch schon, wenn ihr euch in euer Großfamilienweihnachtstreffen ordentlich ansteckt und einen dritten Lockdown provoziert.
Aber ich nehem mal an, ihr garantiert auch dafür, dass da nichts passiert. Oder?

Amen

Ich bin gelockdownt. Warum? Ich weiß es nicht genau. Die Infektionen gehen nicht runter. Was könnte das bedeuten? Vielleicht, dass sich viele nach Gutdünken und Bauchgefühl an die Vorgaben halten. (Jaja, das Bauchgefühl ist wichtigste überhaupt. Und bei manchen Zeitgenossen*Innen muss man schon um die Scheiße in ihren Köpfen froh sein, damit wenigstens etwas an Substanz da ist.)
Außerdem bin gelockdownt, damit alle Arschlöcher im Arschloch Österreichs schifahren gehen können.

Dieser Lockdown wird kein Ende finden, denn alle, die ihre fünf Zwetschken beisammen haben, können sich ausmalen, was an Nikolo, Fuckin’ Weichnachten und Silvester abgehen wird, und wie’s danach mit den Infektionen aussieht.
Und niemand will und kann etwas dagegen tun.
Es gäb schon was. Aber das würde Härte verlangen, und dass der Staat sich ein paar autoritäre Muskeln antrainiert. Siehe Südkorea.
Aber das will man nicht. Schließlich ist jeder Depp auch ein Wähler. Auch müssen die Daten geschützt werden, die jeder und jede gerne bei Google, Amazon, Fazebok, Instagram und den Pornosites abliefert.
Aber doch noch nicht zum Nutzen von allen. Das würd dann doch zu weit gehen.

Nun denn. Lasst alle Hoffnung fahren.
Und diese ist mein vorläufig letzter Kommentar zum Thema.
Amen!

Wo ist eigentlich das Arschloch Österreichs

Viele haben sich schon oft gefragt, wo eigentlich das Arschloch Österreichs ist. Nun haben es Forscher endlich herausgefunden.
Es war dann soweit, als ein junger Forscher erkannte, das Österreich die Form eines gen Osten schwimmenden Pottwals hat.
Nun war es nicht mehr schwer, das Arschloch zu verorten.
Es ist Ischgl.

Hier noch der Link zum dazugehörigen Blues:

https://www.derstandard.at/story/2000121940949/ein-song-ein-brief-und-ein-ischgler-pr-desaster

Wien ohne Weihnacht

(nach Melodie und Text von Georg Kreisslers Lied „Wien ohne Wiener“

Wie schön wäre Wien ohne Weihnacht
So schön wie a leere Tram
Der Stadtpark wär sicher viel grüner
Und die Donau wär endlich wieder grau
Wie schön wäre Wien ohne Weihnacht

Ein Gewinn für den Geschlechtsverkehr
Die Autos ständen stumm
Des Riesenrad fallet um
Und die lauschigen Gassen wärn leer
Auch in Grinzing is Ruh‘
Und’s Burgtheater, sowieso, zu
Es wär herrlich, wie schön Wien dann wär

Keine Fresserei, kein Gesinge
Und im Fernsehen ein tolles Programm
Die Einsamen nicht allein
Die Familien in Frieden und in Ferne
Und wer durch dies Paradies muss
Findet später als Legat
Statt des Antisemitismus
Nur ein Antiquariat

Weder Streit noch Versöhnung
Weder Covidioten noch Lichtermeer
Wär für Wien nicht diese Lösung
Das perfekte Happy-End?
Und es würde Wein getrunken
Und die Stimmen wern geschont
Die leeren Standeln prangen dunkel
kein Geruch nach büllichem Punschgesöff
Und die Unken
Schaun versunken
In den Mond

Wie schön wär mein Wien ohne Weihnacht
Wie ein Hauch, der im All balanciert
Vielleicht gibt’s wo a fesche Angina
Die ein Wohltäter hinexportiert
Wie schön wäre Wien ohne Weihnacht
Nur einmal möcht ich es so seh’n
Und schreite ich sodann
Den Kahlenberg hinan
Und bleib oben voll Sölichkeit steh’n
Und seh dann aus der Fearn
Mein liabes leeres Wean
Werd ich sagen: „Sehng’s, jetzt is da schön“

Sterben ist geil

In der Schweiz macht man sich wieder mal daran „eines der letzten Tabus“ zu knacken. Das Sterben. Ein Buch übers Sterben holt den Buchpreis. Warum auch nicht. In den siebziger Jahren gab es Bücher übers Gebären, knapp fünfzig Jahre später geht’s darum wie wir in die Kiste hüpfen, den Holzpijama anziehen, a Bankl reißen, den Blinden nehmen, einen Abgang machen.
Ich denke, es gibt in hochzivilisierten Gesellschaften eine tief verwurzelte Lust Tabus zu brechen. Eins ums andere muss dran glauben. Die armen Tabus. Sie können einem leid tun. Sie sterben aus. Man sollte sie unter Artenschutz stellen.

Der postmoderne Sterbende belegt Schreibkurse, um seinen Nachruf selber zu verfassen, und die Sterbende sucht sich den Baum aus, unter dem sie dereinst die Ewigkeit zu erfahren glaubt oder man geht gleich bei der Witwe von Polo Hofer vorbei, um bei der Sargdealerin in einem der hübsch bemalten Kisten schon mal Probe zu liegen. Wenn man das Ding nicht gleich selber nach eigenem Geschmack bemalt.

Ich schätze mal, wir sind noch eineinhalb Babyschritte von Sterbepartys entfernt. „Hey, kommt alle. Ich sterbe. Let’s celebrate!“ Live auf Youtube.

Warum denn nicht? In dieser feiersüchtigen Zeit, in der es absolut nichts zu feiern gibt, sollte man es richtig krachen lassen, bevor man über den Jordan geht. Drüben geht es dann weiter. Wie wir ja alle wissen.

Natürlich ist bei all diesen Ansätzen auch die Kirche nicht weit. Wenn ihr bei den Lebenden die Felle davon schwimmen, kann sie bei den Sterbenden noch ein paar neue Fallen auftstellen.

Es sei, wie es ist. M’importa una sega. Epikur bemerkte einmal, dass der Tod ihn nichts anginge. Denn wenn er lebte, war der Tod nicht da. Und wenn tot war, war er eben tot.

Das einzige was mich wirklich stört und nervt ist, dass in diesem Gerede Spiritualität immer mit Religon und Religiosität gleichgesetzt wird.

Leute, Religion und Spiritualität haben miteinander soviel zu tun, wie das Absingen eines Schlagers mit dem Komponieren einer Symphonie.

Let it be. Und bemalt brav eure Särge.

Der letzte Tag

Heute ist der letzte Tag. Morgen ist Lockdown. Heute noch können sich die österreichischen Arschlöcher und die Arschlöcher die hier leben legal um den Vertrieb ihrer Viren kümmern und auch selbst welche besorgen. Die Freiheit verteidigen. Die Freiheit, andern ungestraft zu schaden, ist die schönste Freiheit. Nochmal raus ins Burgenland, in die Steiermark, nach Kärnten, zurück ins Dorf zur Großfamilie, um noch mal richtig einen loszumachen. Nochmal ins Vereinsheim und alle umarmen und im engen Kellerlokal zu saufen und zu grölen, so also auch in der Pfarre oder beim Imbiss mit den anderen Arschlöchern, die auch nichts besseres zu tun wissen, als in Clustern abzuhängen oder gleich nochmal rein ins Schnäppchenparadies, ran an die Wühltische, halb aufreitend wie stierige Färsen, ja, die zehntausend Covid-Fälle pro Tag die kriegen wir doch noch hin, keine Frage, und es ist ja alles nur die Schuld der Regierung, die so schlecht kommuniziert, denn verdammt, wir sind doch überfordert mit Maske aufsetzen in Innenräumen und Abstand halten, und das ewige Händewaschen laugt doch ungesund die Haut aus, und überhaupt was soll das alles, es gibt keine Pandemie und Tote schon gar nicht, denn die Leute sterben nicht, niemand, es ist die Regierung die diese Leute klammheimlich verschwinden lässt, eh kloa, und Verzicht ist einfach Scheiße, ich musste schon als Kind nicht verzichten, denn ich war der Chef in der Familie, dem Hund gleichgestellt, der sonst immer der Chef war, bis ich kam. Und hat nicht Jim Morrison gesungen: We want the world and we wannit now!
Also.

Die Regierung ist’s!

Eins von den vielen Worten die ich nicht mehr hören kann ist: Regierung.
Ja, die fuckin’ Regierung ist an allem schuld. Sie hat alles falsch gemacht. Es ist die Regierung, die in Clustern vor der Vereinswanderung zusammensteht, umarmt und busselt; es ist die Regierung die immer Hochzeitsfeste mit hunderten Personen ausrichtet, es ist die Scheißregierung, die wie bei einem Viehtrieb zusammengedrängt am Schilift ansteht, es ist die verfickte Regierung die man auf Schnäppchenjagd im Gewühl von Kaufhäusern antrifft, es die gschissene Regierung deren Dummheit sich gerade mit der Niedertracht vermählt, und intellektuell überfordert ist, sich eine Maske auf die Fresse zu binden, und Abstand zu halten. Es ist die Regierung. Die ist schuld. Wer sonst?

Wer jetzt nichtzumindest zum 5/7- Misanthropen wird, ist auf jeden Fall ein 5/7-Idiot. Oder katholisch.
Den Unterschied zwischen beiden, lass ich mir in Bälde mal erklären.

Dringend untersucht

Wer vor Covid-19 nicht an den Menschen als eigenverantwortliches Individuum geglaubt hat, hat kein Herz und keinen Verstand. Wer während Covid-19 noch daran glaubt, sollte sich dringenden untersuchen lassen.