Das Herz eines Rockers

Es war einmal ein Junge und der wollte Rock’n Roller werden. Er gründete eine Band. Sie spielten so dahin, nicht wahnsinnig erfolgreich, aber was war das schon: Erfolg? Eines Tages hörte ein Manager die Band spielen, vor allem hörte er diesen Schmelz in der Stimme des Jungen. Der hatte was. Das war ein Geschenk, eine Mitgift, mehr als ein Talent, und der Manager wusste auch gleich, dass mit dieser Stimme Geld zu machen war, denn er war ein guter Manager. Er ließ dem Jungen Schlager schreiben. Der Junge sang sie, widerstrebend zwar (denn er hatte das Herz eines Rockers), aber er tat es, und er wurde sehr, sehr reich. Und unglücklich. Und noch reicher. Er hatte eine Rolle zu spielen. Er spielte einen unverheirateten Schlagerstar. Und er bekam es mit der allerschlimmsten Sorte Mensch zu tun: Mit Fans.

Er trank. Er soff. Er verholleite seine Ehe, die Liebe seines Sohnes. Die Fans wandten sich ab. Es ging in den Keller. Noch einmal kam er hoch, um für eine Fernsehserie einen Hotelier zu spielen.

Er starb mit 48 Jahren an einem Herzinfarkt in seinem Häuschen an einem See.

Er hieß Gerd Höllerich. Und er war mehr Rock’n Roll als Peter Kraus und BAP und Peter Maffay und Element of Crime zusammen.

3 Antworten auf „Das Herz eines Rockers“

  1. Is aber trotzdem eine Art Elvis-Tragödie. Nur umgekehrte Vorzeichen. Und prostituieren tun wir uns alle. Is ja nicht weiter schlimm. Aber die Gabe dieser ganz außerordentlichen Stimme zu haben, und sie nicht nutzen wollen, das ist tragisch.

  2. Hehe.Ich wusste schon im ersten Absatz, dass von Roy Black die Rede ist.

    Der hat sich eben prostituiert und ist daran zu Grunde gegangen. Die Scheiße, die er da produzieren musste (und nicht zu letzt die übergewichtigen Spießer-Hausfrauen, die ihm zugejubelt haben) hat ihm schließlich den Rest gegeben.

    Aber ich denk mit halt irgendwie, ein echter Rock’n’Roller prostituiert sich nicht; der zieht SEIN Ding durch bis er dann dem Teufel gegenübersteht.

    Aufgeben und sich für ein paar Kohlen von der Musikindustrie in den Arsch ficken lassen, das machen Verlierer, aber das ist ja dann doch wieder Rock’n’Roll.
    Wie ging der alte Punkrock-Song?

    Baby, I’m born to lose!

    Rock on!
    …and keep on losing!

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