Blähungen des Geistes

Gerstern Nacht sah ich es wieder einmal. Eher zufällig, als ich ein bisschen rumzappte und bei „Stöckel“ landete, wo gerade ein angehender „Mister Universum“ der Talkrunde erklärte, dass alle irgendwie „Bodybuilding“ machen wenn sie trainieren und dass er in Wettkampfzeiten 13 Eier täglich verspeise. Staunen. Mehr über die Eier, als die Muskeln und die Aussage.
Ihm gegenüber saß der Journalist Karim El-Gawhary und lächelte dieses  Lächeln, das ich eben schon länger nicht mehr gesehen hatte, diese Mischung aus Süffisanz, Ironie und einem Spritzer Arroganz, als hörte er einem etwas ungeschlachten Kind zu, dessen Dummheit ihn amüsierte.

Ja, so lächeln die Intellektuellen, Künstler, Schriftsteller, wenn sie einem Mann begegnen dessen Leidenschaft, Siegeswillen und Opferbereitschaft dem eigenen Körper gilt. Denn dies ist dumm und eitel und irgendwie abartig, aber vor allem ist es eines: Total unter der Würde eines „Geistmenschen“.

So ist es. Ein wächsener Speckmantel über teigigen Muskeln war in unseren Breiten schon immer das Erkennungsmerkmal der Intelligenz. Sehen wir mal von ein paar unbedeutenden, aber sportiven Ausreißern, wie: Vladimir Nabokov, Pier Paolo Pasolini, Samuel Beckett, Ernest Hemingway, Henry Miller, John Irving oder David Foster Wallace, ab. Um nur die allerunwichtigsten zu nennen.

Der Ruch der Eitelkeit und Dummheit umweht den Bodybuilder. In den sechziger Jahren, als die ersten Bilder dieser ausserirdisch muskulösen Typen auftauchten, hieß es allenthalben, dass diese Jungs „nicht mal einen Sack Zement heben“ könnten, da ihre Muskeln nur mit Luft gefüllt seien. Das war zum Wiehern! Die hauen dir den Zementsack mt einer Hand links und rechts um die Ohren, Männeken Baumalocher, that’s for shure!

Mögen sie lächeln, die Geistesgrößen im wächsernen Speckmantel. Sie sind in ihrer Eitelkeit und den geblähten Hervorbringungen ihres kreativen Potenzchens dem Posing der Bodybuilder beim Wettkampf ziemlich ähnlich. Sie sehen nur nicht so schockierend gut aus …

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