Im Reich des Erector spinae

Vor einigen Tagen hab ich mich im Geisteszentrum verletzt. Ich wollte mich für größere Aufgaben wappnen, und beschloss, mich zu dem Behufe mit 100 kg-Kniebeugen aufzuwärmen. Als ich aus der Hocke hochkam, war es, als ob jemand brennendes Motorenöl über meinen Rücken laufen ließ. Selbst in der Geburtsstadt Sacher-Masochs findet sich kaum einer der dabei: „Geil. Mehr, mehr“, stöhnt. Ich wuchtete die Hantel in den Ständer und setzte das Training fort. Unter Auslassung von Übungen die den unteren Rücken betreffen.

Die Nacht wurde schlimm. Irgendwo fand ich eine angebrochene Packung Diclofenac. Half nicht viel. Keine einzige Bewegung die nicht schmerzte. Und der untere Rücken – das weiß ein Ex-Krafttrainer, ist das Zentrum der Kraft, ohne den geht gar nichts. Ja, dachte ich: Wir sind verletzlich. Wie entsetzlich banal. Ein falscher Schritt, und du bist gewesen. Aus heiterem Himmel strafen dich die Götter. Gerade noch kraftstrotzend und voller Zuversicht, und in der nächsten Sekunde ein Wrack. Das ist nicht nur banal, sondern geradezu lächerlich. Gehört von Rechts wegen verboten. Aber ist es nicht.

Wir müssen damit zu Rande kommen. Dass wir bei dem Wissen um diese immer gegenwärtige Bedrohung, nicht verrückt werden, ist eigentlich ein richtiges, kleines Wunder. Da muss sich der eine, oder die andere, schon was einfallen lassen, um davon abzulenken. Meine Ablenkung vom Abgrund ist, dass ich in ihn hinein starre und versuche den Grund auszumachen. Mais, chacun à son gout, wie der Mörschwiler sagt. Nur sollten wir uns dabei nicht auch noch gegenseitig fertig machen.

Man merke: Weihnachten nähert sich.

P.S. Inzwischen hat sich mein gezerrter „erector spinae“ wieder einigermaßen erholt. Ich wusste es. Weiter im Text.

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