Spiegelbilder

„Da wandte ich mich, zu betrachten die Weisheit und die Tollheit und die Torheit.“ (Prediger Salomo 1.2.12)

Die Spiegel im Geisteszentrum lügen. Sie schmeicheln mir. Sie zeigen mich aber genauso, wie ich mich fühle: Größer. Schlanker. Muskulöser. Stark. Für mein Alter in Topverfassung. Ich traue ihnen nicht. Denn ich schätze, Spiegel die mich (und die anderen), kleiner und dicker erscheinen ließen, wären dem Geschäft abträglich. Aber es besteht die Möglichkeit – sie ist nicht allzu groß, zugegeben -, dass alle anderen Spiegel lügen, jene, die mich nicht so vorteilhaft aussehen lassen. Immerhin fühle ich mich genauso, wie ich im Spiegel des Geisteszentrums reflektiert werde. Schwierig. Irgendwie. Denn wir sind nicht in der Lage uns von außen zu sehen, und selbst das Kameraauge lügt, und produziert letztendlich eine Vorstellung des Fotografen. Bildern ist nicht zu trauen. Bilder sind Abbilder.

Aber ich glaube sowieso nur ans Schreiben.

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