Irischer Dichter

„Alles Mühen des Menschen ist für seinen Mund, aber sein Verlangen bleibt ungestillt.“ (Prediger Salomo, 6.7.7)

Als ich mich heute, schwer beladen mit leeren Flaschen, zum Elisabethplatz begab, wo ich mir die letzten Zeugen meiner seichten Ausschweifungen vom Hals schaffen wollte, dachte ich bei mir: Es wär doch fein ein irischer Schriftsteller zu sein. Als Andrew McNyman, genannt „Andy the drinking eye“, würde ich launige Stories über mein launiges Leben als trinkenden, rauchenden, musizierenden und ewig Berauschten zum Besten geben; dort drüben, im Pub, wo ich mich in aller Ruhe süß vergiften würde, und derweil den schönen Ladies auf die Hintern kucken.

Aber es ist nicht, wie ich es will. Dafür sah ich ein paar Möbelpacker, die nach den Regeln der Kunst einen Laster beluden, und da musste ich daran denken, dass ich selber mal ein solcher Kerl war. Es war eine gute Zeit, mit gutem Geld für harte Arbeit, und der Einsicht, dass sich kaum je mal einer verbesserte, sondern fast alle von Groß nach Klein umzogen, und dass sich niemand einzubilden brauchte, er sei ein Individuum und etwas einzigartiges, denn die verdammten Steckdosen waren in allen Wohnung am gleichen Platz, links und rechts, wo die Nachtkästchen zu stehen kamen. Ich vermochte nicht mehr einzusehen, warum die einen ihren Krempel aus der einen, und die anderen ihren aus der anderen Wohnung schleppen ließen, denn sie besaßen fast idente Sachen, wobei der eine ein Klavier hatte, und der andere eine Topfpalme aus Hartgummi.

Aber ich war jung und schön und stark und hatte Geld in Taschen und mächtigen Appetit. Auf alles und jede.

Zum Teufel mit den irischen Dichtern!

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