Lange Briefe an Freunde

Der spanische Schriftsteller Javier Marias hat eine ca. 1300-seitige Trilogie (Dein Gesicht morgen) geschrieben. Drei wuchtige Bücher. Beim Interview mit Denis Scheck sagte er, dass es schön sei, dass man in Büchersendungen des deutschen Fernsehen noch rauchen dürfe. In Spanien gehöre dies der Vergangenheit an. Dann sagte er noch etwas, dass ich in dieser Weise auch schon festgestellt habe: Ein neues Buch ist nach spätestens drei Monaten ein altes Buch. Scheck wollte etwas Trost spenden, aber Javier sagte nur: „Das ist nett, dass sie das sagen, aber es ist leider so.“

Vielleicht wäre es, mit dieser Prämisse, klüger diese 1300 Seiten wie einen Zeitungsroman zu publizieren? Oder als Twitter-Novel. Oder immer nur 100 Seiten am Stück. 13 Bücher anstatt nur 3.

Was bedeutet das für Autoren, Verleger und Leser? Schwer zu sagen. Aber die Beschleunigung ist jedenfalls enorm. Als ich anfing zu veröffentlichen, ging es nach 3 Monaten Vorlauf erst richtig los.
In zwei Jahren ist ein Buch bereits ein Monat nach Erscheinen Makulatur, und in weiteren 2 ist es im Moment des Drucks, reif für’s Antiquariat. Davor müssen wir uns nicht fürchten. Wir nähern uns der Maxime eines (fällt mir nicht ein, wer’s gewesen ist) Autors, der mal gesagt hat: „Bücher sind lange Briefe an Freunde.“
Und der Verleger ist eine Art Postbote.

Sieht mir ganz danach aus.

Eine Antwort auf „Lange Briefe an Freunde“

  1. Was ist damit gemeint (bzw. schlimm daran), wenn ein neues Buch nach drei Monaten als altes Buch zählt?
    Wird es dann weniger beworben oder kaum noch gekauft oder verschwindet es aus allen Buchhandlungen/ Mailordern?
    Als Leser habe ich mich – bisher – noch nie am Erscheinungsdatum bzw. Alter eines Buchs gestört.

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