Covi-Diary (16)

„Ihr werdet schlecht schlafen. Ihr werdet zunehmen. Ihr werdet Angst haben.
schrieb die italiensiche Autorin Francesca Melandri in einem Brief an „Deutschland“ .

Und warum zum Teufel schreibt sie nur an Deutschland?
Vermutlich wegen der „Spiegel-Gage“, in der der Brief erschienen ist.
Ich schätze mal, dass ihre Prophezeihung, für viele Millionen auch ohne Corona in etwa so zutreffend sind wie: Ihr werdet auf’s Klo gehen. Ihr werdet frühstücken. Ihr werdet euren Blutdruck messen.
Wer schläft schon gut? Wer nimmt nicht zu? Wer hat keine Angst? Ganz ohne Virus.

Ich kenne meine eigenen Versuche in Prophetie, und bin mir meines ewigen Scheiterns bewusst. Noch gestern entwarf ich ein Szenario, in dem sich der Mitmensch weigerte, sich vor dem Betreten eines Supermarkts eine Maske vor die Visage zu spannen. Und was geschah? Ja, was?
Als ich heute morgen rüber zu Hofer pilgerte, kamen mir einige Leute entgegen. Sie trugen Masken. Fein, dachte ich, also wird mir am Eingang auch eine eingehändigt. Aber was geschah wirklich?
Kein Security am Eingang, kein Mensch, der mir so’n Ding verpassen wollte. Also betret ich den Laden, und sehe auf einen Blick, dass ich der einzige Kunde ohne Maske bin. Der Einzige. Ich.
Das war mir etwas peinlich, und ich fragte mich, wo die alle die Dinger her hattten. War der Security-Guy gerade auf’m Klo? Oder machte er Pause? Besorgte sich eine neue Ladung?
Na gut. Da musste jetzt durch. Es fühlte sich an, als wäre ich in eine Zusammenkunft von Bankräubern geraten, die sich gerade ihre Jause besorgten.
Kann passieren.

Ich schlafe gut. Ich nehme zu. Und die Angst ist meine Freundin.
Morgen dann mit Maske.

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