Die Knallbar Diaries (28)

Heute zum Thema: How to kill a smartphone addict oder Wie Smartholes meine Freiheit einschränken.

Als Lev-André Knallbar beansprucht man für sich gewisse Privilegien. Einige davon hab ich schon für mich beansprucht, als ich nur der Lev war, ein halbwegs anständig gescheiterter Autor, nämlich jenes, bei Rot über die Straße zu hirschen, zu schlendern, zu flanieren, zu sprinten, ganz wie es die Situation erforderte.

Dieses Privileg, liebe Freunde, Feinde und Gleichgültige, ist nun in Gefahr. Und sowas hasse ich. Privilegien sind das Salz in der VIP-suppe, sind der Gin im Tonic des Gescheiterten, kurz: Privilegien müssen sein. Für jeden und jede.

Als ich neulich, auf dem Weg in die Schwangerschaftsgymnastik, den Ampelcluster am Gürtel in Angriff nahm, und Lust verspürte, etwas Risiko zu nehmen, was heißt, so zu tun, als gäbe es keine Ampeln, und schon mal vor dem Kühler eines Autos durchzuzischen, bemerkte ich, dass man daran arbeitete mir dieses Privileg streitig zu machen. Und zwar: Exemplare dieser Smartholes, diese Smartphon addicts, die ihre hässlichen Rüssel nie wieder aus dem Display entfernen wollen.
Denn einer dieser Handywappler folgte, sozusagen im Blindflug, meinem geschwinden Schritt in die Fahrbahn, annehmend dass wohl grün sei. Um es kurz zu machen: Er entkam knapp dem Kotflügel eines schwarzen BMW’s, eines coolen schwarzen BMW’s, dessen Fahrer nicht mal auf die Hupe gehämmert hat.

Also: so muss es ja nicht immer ausgehen. Und wenn Sie mal Lust verspüren ein Smarthole fertig zu machen, wissen Sie ja jetzt wie’s geht. Man braucht dazu nur eine Kreuzung und eine rote Fußgängerampel.

Das ist die eine, die etwas rachlüsterne Seite. Die andere Seite wird dominiert von meiner christlichen Erziehung. Muss ich jetzt, um meine depperten Mitmenschen nicht umzubringen, auf meine Freiheit verzichten? Das Wort Kains paraphrasierend: „Bin ich denn der Smartholes Hüter?“

Urteilen Sie selber.
Ich hab’s schon.

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