Die Knallbar Diaries (27)

Mein Leben ist in Unordnung geraten. Der Kontostand macht mich immer noch glücklich, aber die inspirierende Schwangerschaftsgymnastik hat ihren Austragungsort gewechselt, und so bin ich gezwungen in einen Bezirk zu pilgern, wo man Knallbar eher nicht so kennt. Noch nicht. Zumindest gibt es auf dem Weg eine Buchhandlung. Im Schaufenster lag er. Mein „Bessie“. Ich beschattete meine Augen und lurte durch das verstaubte Glas auf meinen Opus, als hätte er magische Kräfte, ich meine, als wär’s irgend so ein magical Stone oder sowas, aber ich erschrak, denn oben, auf den Seiten, schien eine feine Schicht Staub zu liegen. Die Buchhandlung hatte noch geschlossen, und so konnte ich nicht reinstürmen und das Personal zur Ordnung, bzw. zum Staubwischen rufen.

Als ich mich abwandte, steuerten gerade zwei maghrebinische Jung-Knipper auf mich zu. Ich steh nicht so auf auf maghrebinische Jung-Knipper. Das ist in etwa so rassischtisch, wie wenn ich sagen würde: Ich mag maghrebinische Jung-Knipper. Gut. Alors. Ich mochte sie nicht. Auf Anhieb. Wie so viele meiner Mitmenschen.

Sie blieben stehen. „Do you speak english or arabian?“, sagte der etwas Größere.
„No“, sagte ich, und packte das aus, was ich als mein „Bronchialfranzösisch“ bezeichne, ziemlich übel, aber es verfehlt selten seine Wirkung. “Est-ce-que vous connaissez Lev-André Knallbar?“
„André?“, gaxte der Große. Er hatte also was verstanden und lurte mich an, wie ich vorhin meinen Bessie hinter der Scheibe angelurt hatte.
„Quais, Lev-André Knallbar. Si vous ne connaissez pas Lev-André Knallbar, ce que mieux, si vous cherchez un autre lieu, pour faire des choses qui vous voulez faire.“
Jetzt lurten sie beide.
„Lev-André Knallbar est un ecrivain superieur. Le chef.  Le meilleurs. Plus grand que votre Houellebecq. Plus,plus, plus grand. Compris?“
Sie zischten ab, ohne noch ein Wort zu verlieren und ihre Köpfe ruckten auf der Suche nach dem nächsten Opfer hin und her, wie der von zwei Krähen, auf der Suche nach Spatzennestern.
Lev-André Knallbar war kein Spatz. Ich denke, das haben sie verstanden.

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