Wer realistisch erzählen will, sollte auch realistisch erzählen

Gestern, spätnachts, habe ich zugesehen, wie der einäugige Jeff Bridges und ein junges Mädchen durch eine „hohle Gasse“ ritten und in den Ästen eines wunderschönen Baumes – in etwa 15 Meter Höhe -, einen Gehängten entdeckten. Bridges befahl dem Mädchen in die Krone zu klettern und den Toten abzuschneiden.

Und während des restlichen Films („True Grit“) dachte ich darüber nach, wie die „Hänger“ das wohl hingekriegt hätten. Ich kann nicht anders. So was macht mich verrückt. Deformation professionell. Da ich lange Zeit für Theater und Film Sets gebaut habe.

Zwei Tage zuvor habe ich „The Innocent“ von John Schlesinger gesehen. Eine Mischung aus „Casablanca“ und „Der 3. Mann“, ganz passabel erst, aber dann ließ der Drehbuchautor Isabella Rosselini und Campell Scott den Filmehemann von Isabella erschlagen. Da fings richtig an abzufucken. Schlimm.
Um die Leiche zu beseitigen, verfiel Scott auf die Idee, den Mann zu zerteilen. Mit einem Fuchsschwanz! Einer Säge also, mit der man höchstens mal eine Dachlatte ablängt. Lächerlich. Vielleicht hätte der Drehbuchautor mal mit einem Pathologen reden sollen?

Aber es kam noch schlimmer: Der zersägte Tote, ein Mann von gut und gerne 80 Kilos, wurde auf zwei Koffer aufgeteilt. Dann sah man den Scott – ein Mann mit dem Körperbau und den Kräften eines Günther Jauch-, die zwei Koffer zu je 40 Kilos, ein paar Stockwerke runtertragen, Straßen und Plätze überqueren, man sah, wie er die Koffer in Autos ein und aus lud, wie er sie wieder Treppen hochschleppte, und so weiter und so fort. Irre. Komplett crazy.

Wenn man realistisch erzählen will, sollte man auch realistisch bleiben. Finde ich. Auch wenn es schwer ist. Aber da führt kein Weg daran vorbei.

Ich finde so einen Beschiss (und man begegnet ihm bei Filmen auf Schritt und Tritt!)  schlimmer als das bisschen Pferdefleisch in einer Lasagne für € 1,99, ein Fertiggericht, das ich zuerst mit einer Ladung frischen Kräutern umwürzen müsste, bevor ich es wegschmeißen könnte.

Aber wer Lasagne für 1,99 kauft, seiner Familie und sich selber vorsetzt, dem ist – mehr oder weniger – auch alles andere wurscht. Auf jeden Fall die Kunst. Nicht nur die Kochkunst…

2 Antworten auf „Wer realistisch erzählen will, sollte auch realistisch erzählen“

  1. die gebrueder coen waren nie realisten. dass einer hoch in den baeumen haengt, gefaellt mir. auch die schlangengrube am ende des films ist alles andere als wirklichkeitsgetreu. manchmal ist die kuenstlerische vision eben weit besser als die realitaet…

    dass aber, wer lasagne fuer euro 1.99 kauft, selber schuld ist, wenn er pferdefleisch fressen muss, stimm ich ueberein…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.