Aufpassen!

In der Garderobe des Geisteszentrums. Ich zog mich nach dem Training um, und ein Afrikaner kam herein, sein Spind lag so ziemlich neben meinem, und er begann sich ebenfalls umzuziehen. Er hatte geschwitzt, wie ich auch, und als ich angezogen war und an ihm vorbei ging, dachte ich wieder daran, was mein Vater gesagt hatte. Da es im Geisteszentrum viele Dunkelhäutige gibt, muss ich oft daran denken, was mein Vater vor über 50 Jahren gesagt hatte. Er hatte es nicht nur einmal gesagt, sondern immer wieder mal, bei Gelegenheit, wiederholt.

In meinen Ohren klang es, als hätte er gesagt, dass Bälle immer rund sind, und der Regen niemals von unten kam, dass Menschen Ohren hatten und Beine, und ich hatte keinen Grund daran zu zweifeln. Er sagte nämlich, dass „der Schweiß der Neger anders riecht als unserer. Er stinkt.“

Ich weiß. Es ist rassistischer Unsinn, es ist nicht wahr, aber manchmal, wenn ich an Afrikanern vorbeigehe, denke ich daran. Das ist perfid. Und es beweist, dass wir die Worte, die wir zu unseren Kindern sprechen, mit Bedacht wählen sollen.

Dass ich nach über 50 Jahren noch immer daran denke, gibt mir zu denken. So einfach ist das also? So simpel funktioniert Rassismus?

Und auch wenn ich weiß, dass es nicht wahr und einfach nur rassistisch ist, auch wenn es dutzendemale durch die Wirklichkeit widerlegt wurde, ich denke noch immer an die zwei Sätzchen meines Vaters. Er hätte das nicht tun sollen, finde ich.

Und ich bin mir leider ziemlich sicher, dass ich die zwei Sätzchen zu meinen Kindern auch schon gesprochen habe. Nicht dieselben, aber irgendwas wirds schon gewesen sein.

Aber um aus einem Kind einen Rassisten zu machen, braucht es offenbar mehr als nur zwei, gelegentlich, eingestreute Sätze. Das ist beruhigend. Aber vielleicht nicht wahr …

4 Antworten auf „Aufpassen!“

  1. Gerüche sind ein Teil der Kommunikation und hängen mit dem Essen und dem, was als „guter“ oder als „schlechter“ = stinkender Geruch vermittelt wird.Eine Geruchssozialisation sozusagen. So gelten Westeuropäer gerne mal in anderen Gesellschaften als „Käsestinker“, einfach, weil sie gerne viele Milchprodukte konsumieren und deswegen einen käsigen Geruch verströmen…..Yams zu essen produziert hingegen einen scharfen Körpergeruch, der evtl. genau in den Käsefressergesellschaften als stinkend wahrgenommen werden kann….you smell what you eat! Denkt doch mal über Knoblauch nach und welche Gesellschaft gerne als „Knoblauchfresser“ diskriminiert wurde….

  2. Dazu meine Erfahrungen: in der Tat riechen „Schwarze“ etwas anders, genauso wie „Weiße“ oder „Gelbe“ oder „Rote“- aber stinken würde ich es genauso wie bei allen „Andersfarbigen“ (nicht) nennen (es kommt immer auf drauf an, wie lange ungewaschen).
    Das habe ich schon wahrgenommen vor ich diesen Spruch gehört habe, der in der Tat doch rassistisch ist.

  3. Also wenn es sowas wie einen Auslandsoscar für den kurzen/guten/klugen/mutigen Text gäbe (hinter dem nicht Burda o.ä. steckten), dann wäre das hier garantiert ganz heiss im Rennen.
    Man hat eine Weile den Eindruck, als könnte man das jede Woche irgendwo in einer besseren Publikation lesen – und dann musste ich aber mal ganz tief Luft holen.
    Wenn ein Autor, der ein paar Erfahrungen aufm Buckel hat, mal genauer drüber nachdenkt, ist das schon eine Menge, aber dann muss er ja auch noch die Eier haben, noch ein paar Schritte weiterzugehn. Von der Fähigkeit, ein paar glänzende und verständliche Sätze hinzukriegen, noch gar keine Rede.

  4. Fürwahr beruhigend, dann müssten meine Kinder auch schon Rassisten sein! Manchmal ist es müßig, weit auszuholen und die alten Schweinereien, von Weißen/Deutschen/Westeuropäern/Amis/ … verursacht, rauszuholen. Manchmal nicht. Man sagt eben nicht immer die volle Wahrheit.

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