Stephan Alfare las im „BiB“

Das „Café Club International“ ist eine sympathische Räucherkammer im „BoBo“-Viertel Wiens, dort beim Brunnenmarkt, ebenda, wo die Alteingessenen zu murren beginnen weil die Mieten steigen, und man anstatt Schüsse, nur mehr die aufgekratzten Stimmen der Vergnügensucher hört. Aber im „Café Club“ ist es immer noch so, wie es schon immer war, im Wienerbeisl. Am Besten, man fischt sich die Ausgehklamotten noch mal aus dem Wäschehaufen, denn im „CCI“ tagt jede Nacht die internationale Vereinigung der Kettenraucher. So riecht man dann auch.

Und diesem international vereinigten Zigarettenrauch entsteigt die Literatur. „BiB“ heißt das, „Buch im Beisl“. Ganz hinten, in einem äußerst bequem möbilierten Raum las gestern der Autor Stephan Alfare aus dem Manuskript seines neuen Romans. Und wie er das tat!

Mit einem Mal hatte ich das Gefühl, dass es lohnend sein könnte, an Lesungen zu gehen. Verrückt.

Alfare schaffte es, seiner Stimme diesen „bösen“ Qualtingertouch zu verpassen, eine gewisse Gefährlichkeit, wie ein durch die geschlossenen Zahnreihen gepresstes „Verpiss dich!“, und das kam erstens richtig gut, und zweitens rangierte der Text in der höchsten Risikoklasse, denn Alfare schilderte uns ein Stück Leben aus der Sicht eines Pädophilen, der eine 9-Jährige begehrt. Nichts leichter, als sowas zu vergeigen, und nichts schwerer, als es auf die Reihe zu bekommen. Und, meiner Seel, er kriegte es hin. Wie? Ich weiß es nicht. Aber als es zu Ende war, wusste nicht nur ich, dass wir da einen Fetzen schöner und wahrer Prosa gehört haben. Das macht glücklich.

Eigentlich hätte ich rüber in die Kirche gehen sollen, um die Glocken zu läuten. Aber wir läuteten nur mit den Gläsern, hatten es gut, und als man wegen des Rauchs nichts mehr sehen konnte, gingen wir.

Hervorragend.

http://www.buchimbeisl.at

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