Garantie (2)

Wie man in Tirol (und auch in Restösterreich) Probleme löst, durfte man dieses Wochenende wieder einmal in wunderhübscher Ausführung erfahren.
Als der Andrang an den Skiliften zu dicht wurde, und der garantierte Abstand nicht mehr eingehalten werden konnte, wurde einfach die Webcam, die auf die Talstation gerichtet war, auf die Piste gedreht.
Staunt Welt, und lernt: So löst man schnell und effizient Probleme.

Garantie

Soviel zur Garantie von Liftbetreibern, Landeshauptleuten, Arschgeigen, Dummköpfen, Realitätsverweigern, Traumtänzern, Gierköpfen und anderen Hohlbirnen, dass die Abstände beim Schifahren wunderbar eingehalten werden :

Schaffen wir …

In den sechzigerJahren skandierten die 68-er Revolutionäre:

Schaffen wir zwei, drei, viele Vietnam!

Warum? Weil der Imperialismus unter der Ökonomie der Kriege zu wanken begann. Er würde bald fertig haben. Er hatte dann nicht.

Aber jetzt ist eine viel effizientere Mannschaft am Werk, eine Mannschaft von vergnügungssüchtigen Trotteln im Verbund mit Regierungen aus Milchmädchen und Milchbubis, und diese könnte schaffen, was die 68-er nicht geschaftt haben:

Schaffen wir zwei, drei, viele Ischgl!

Das killt garantiert die Wirtschaft der geliebten Kapitalisten, ruiniert garantiert Jobs und Gesundheit, und bringt die Leute auf die Barrikaden.

Die Feinde des Kapitals sind heute die Freunde des Kapitals.

Make my days!

Neue Definition

Solidarität ist, wenn wir mit unseren Jobs, unserer Freiheit und Gesundheit für Schifahrer und Kirchgänger geradestehen.

Weihnachtsgesichter

In meiner Kindheit fielen die Adventstage in den richtigen Winter. Es lag überall Schnee, und der Natureislaufplatz war in vollem Betrieb und der dicke Gemeindebedienstete hockte in seinem Kabuff, kassierte die 50 Rappen Eintritt und bediente den Plattenspieler, legte Singles auf. Mein Lieblingssong war „San Francisco“ von Scott McKenzie. Wir hatten also zu tun. Schifahren und Eislaufen. Eishockey und Slalomfahren. Wir bekamen ein Adventkalender und öffneten jeden Tag ein Türchen. Dahinter lag ein Stück Schokolade.

Und dann kam der Weihnachtsabend und wurde jedes Mal eine wunderbare, kerzenhelle Enttäuschung. Ich war der „Hans im Schneckenloch“ aus dem gleichnamigen Song. „Und was er hat, das will er nicht, und was er will, das kriegt er nicht.“ Als vier-oder fünfjähriger legte man mir einen Holzbaukasten unter dem Baum. Es dauerte nur ein paar Minuten, dann lag er bereits im prasselnden Holzofen. Irgendjemand rettete noch ein paar Teile aus den Flammen. Ich glaube, es gibt sie immer noch. Irgendwo.

Ja, was sollte ich damit? Das war Kram. Ich wollte Fury. Später dann Schusswaffen, Bögen, Messer. Was ich bekam, waren Socken, lange Unterhosen und Handschuhe.
Was macht ein Kind, das nie erhält was es sich wünscht? Es wird zum Philosophen. Es erwartet nichts mehr. Die Wünsche bleiben geheim. Es weiß instinktiv, dass das Leben einem nichts schuldet, und man es auch nicht bekommt.

Später hasste ich Weihnachten. Es erschien mir als der Gipfel der Heuchelei. Schlimmer ging nimmer. Schlimm war auch Familie. Selbe Katagorie. Wenn ich einen Job hatte, meldete ich mich für die Weihnachtsschicht. Das schien mir ein würdiger Anlass um zu arbeiten und mit den Kollegen, das eine und das andere Glas zu leeren.

Dann gab es die Zeit in der ich mich am Heilig Abend in Bahnhoffbuffets herumtrieb, und mit Pennern, Obdachlosen und Einsamen trank. Es war sehr romantisch und sehr laut.

Und dann kam die Zeit, in der Weihnachten einfach nichts wahr. Wo mich eine Frau irgendwohin zu ihren Freunden schleppte, wo jemand groß aufkochte und wo alle so taten, als wär nicht Weihnachten.

Dann wurde Weihnachten zur Massenpsychose.

In meiner Kindheit hatte man kein Geld für Geschenke. Außerdem gab es auch nichts zu kaufen. Man war noch nicht Konsumist, erst auf dem Weg dazu. Noch sprach man uns nicht als „Konsumenten“ an. Ich glaube, dieses Wort gab es nur im Duden zu lesen. Die Dinge, die es gab, waren teuer wie die Sünde. Für die biligsten Skischuhe musste ein Familienvater ein paar Tage arbeiten. Und alle gingen zur Christmette und sangen sich die Kehle wund. War das schön? Nein, es war einfach, wie es war.

Dann war plötzlich wieder Weihnachten. Kinder.
Und bei all diesen vielen Weihnachten, ging es nie um die Geburt des Gesalbten. Und das ist auch okay so. Weihnachten ist heidnisch, wie man so sagt. Ein Heidenstress für alle (fast alle). Soll so sein. Weihnachten ist wie Corona: Man kann ihm nur entgehen, wenn man sich isoliert in Quarantäne begibt.

Bei uns liest eine Tochter den Anfang der Genesis auf Altgriechisch. Es rührt mich an, die Sprache zu hören in der Sokrates, Aristoteles, Epikur und die anderen Burschen gesprochen haben.
Und dabei habe ich nicht mal Matura.

Dieses Jahr kann man an Weihnachten jemanden umbringen oder umgebracht werden. Man weiß nicht wen oder wer einem ins Grab bringt. Aber es ist halt Weihnachten. Es muss sein. Da hilft nix. Es ist ein seltsamer und verrückter Zwang. Wie Koprolalie, Tourette oder ein solider Waschzwang.

Nun denn. Diese Gesellschaft gehört auf die Couch. Aber da ist halt kein Platz für alle.

Keep it cool! Und rechnet mit dem Schlimmsten.
Oder um die „Stones“ zu paraphrasieren:
„You can’t get always what you want, but if try and try and try, in the end you will get a fancy tombstone.“

Sincerly yours

A.

Ischglich

Weihnachten wird fälschlicherweise immer wieder mal als „Fest“ bezeichnet. Weihnachten ist aber kein Fest, sondern eine Massenpsychose, der niemand entrinnen kann. Nicht die Atheisten, nicht die Muslime, nicht die Juden und Buddhisten, niemand.

Das erstaunliche an dieser Massenpsychose ist heuer die Opferbereitschaft dieses antiautoritären Kindergartens namens Gesellschaft. Die Mitglieder dieses Kindergartens, die sonst immer und überall eine Art Disneyworld als Wirklichkeit einfordern und jedes Risiko, auch von Staatswegen, eliminiert haben wollen, stürmen in diesem Wahn vorwärts mit der Opferbereitschaft von Islamistischen Terroristen.
Denn: Weihnachten muss sein. Und es muss genau so sein, wie es immer war. In der Kirche wird abgesungen, die Omi angehustet, den Opi abgebusselt, die Familienmitglieder von fern und nah finden sich ein, ganz nach persönlichem Gutdünken und persönlicher Auslegung der staatlichen Verodnungen, man frisst sich zusammen eine Wampe an, ist beleidigt wegen des geringen Wertes der Geschenke, fetzt sich, brüllt und säuft, ganz so, wie es an Weihnachten sein muss. So woas scho imma!

Dass viele, diese vehement geforderte Psychose nicht überleben werden, gehört einfach dazu. „Ischglich“, wie in der Schweiz in einem schönen Filmchen „Ischgl“ paraphrasiert wird. Ischglich (Ist egal). Muss sein. Wie Schifoan.

Wer im Januar an einem Beatmungsgerät hängt (Abgesehen von den armen Schweinen, die mit den Idioten beruflich zu tun haben), hat es auch verdient.
Muss halt sein. Ischglich.

Yeah!

Gestern hörte ich, ganz zufällig im TV, die beste Beschreibung dieser Corona-Gesellschaft: Ein Antiautoritärer Kindergarten.

Yeah!

Stefan-Georg Troller ist 99!

Herzlichen Glückwunsch!
Es ist wunderbar, dass Sie noch immer da sind.
Was für ein Leben!
Und gibt es etwas besseres als diese, Ihre, essayistische Form des Dok-films „Personenbeschreibungen“? Falls es sie gäbe ich kenne sie nicht.
Zum Beispiel über Charles Bukowski.
Cien anos! zu rufen ist in Ihrem Fall zu mickrig.
Einfach weiter so!

Ich bin Ihr Fan!

Manchmal …

Ich könnte diesen Text mit: „Manchmal frage ich mich … „ beginnen. Tu ich aber nicht, denn es wäre eine Lüge. Ich frage mich längst nicht mehr. Um was geht’s? Na, um was wohl? Corona. Die „freiwilligen Massentests“, und der Größenwahn der Politos, die das ganze Land in langen Schlangen vor den Teststellen anstehen sahen, um sich checken zu lassen, um dann in Quarantäne abzuwandern oder semibeglückt mit einem negativen Bescheid im Patschehändchen, den sie sowieso erwartet hatten, nach Hause zu walzen.
Nun sickert durch, dass man enttäuscht ist. Enttäuscht darüber, dass sich der erwartete Ansturm nicht ereignet hat.

No na net, ihr Hiafler!

Die meisten Menschen oder noch besser die meisten Leute, wollen einen Mehrwert wenn sie sich schon in eine Schlange begeben und sich einen Wattestab in die Nase rammen lassen müssen. Und wenn der Mehrwert gerade mal eine 10-tägige Quarantäne verheißt oder ein kurzes warmes Gefühl („Hab eh gewusst, dass ich das Ding nicht habe“), dann bleiben zumindest jene zuhause, die den Verdacht hegen, dass sie das Virus in sich haben. Darum auch die superniedrige Ausbeute an positiv geouteten.

Nun gut. Man hat wieder mal ein paar Millionen aus dem Fenster in die Hände der Testherstellerfirmen geschaufelt. Was dabei herauskam ist kontraproduktiv, ganz so, wie der Expertenstab, den sich die zuständigen Ministerien leisten, veranschlagt hat. Die Politos verhalten sich gegenüber den Experten so wie die Männer in einem sizilianischen Sprichwort: „Wenn du eine Sache entscheiden musst, frag deine Frau. Und dann tu das Gegenteil.“

Manchmal frage ich mich doch, ob ich mich nicht manchmal fragen sollte …