Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss

Die Stimmung in der Redaktion ist ja meist depressiv (darum die Lady mit dem Meth, ihr Blitzkneißer!), aber manchmal gibt es auch was zu lachen. Wie neulich, als sich unser Redaktionsoldie den linken Wadenmuskel gezerrt hat.

Alle haben es kommen sehen, als Oldie den gesunden, stabilen Sessel aus Hartholz, den ihm Lady angeboten hatte, mit großer Geste beseite schob und sich den klapprigen gartengrün gestrichenen Klappstuhl schnappte, den der Vorgänger von Pepita, ein liebeskranker Politologe auf Umschulung, im Keller der Redaktion langsam und beharrlich geschreinert hatte.

Also, genau dieser Stuhl war es, den Oldie entfaltete, unter dem Lampenschirm platzierte und sich anschickte ihn – die Lasche einer neuen Glühbirnenschachtel zwischen den Zähnen – zu erklimmen.

„Ey, Alter! Du weißt schon, was du tust, oder?“, schnarrte Pepita, die sich gerade einen fetten Batzen Bazooka-Bubblegum zwischen ihre ungeküssten Lippen schob.

„Er ist ein Mann“, sagte die Meth-Lady und lächelte süffisant. „Und ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.“

„So ist es“, sagte Oldie stolz, und dann war es für einen langen Moment lang still und man hörte nur die Ventilatoren der Computer und das leise Schluchzen von Marky Mark, dessen geliebte Maus beim Computerdoktor war, weil sie, wie Marky Mark glaubte, an einem Virus litt.

„Und warum muss ein Mann tun, was ein Mann tun muss?“, fragte Pepita und setzte an, eine rekordverdächtige Kaugummiblase zu pusten.

„Um mit den Worten meiner seligen Mutter zu sprechen“, sagte die Lady, die vorsorglich ihr Bajonett aus der Gefahrenzone geräumt und in den Zargen von Pepitas Tür gestoßen hatte: „Wail Mann Idiot is.“

„Aha“, machte Pepita und stierte auf das Bajonett. „Das verschwindet aber wieder, schon wa?!“

Inzwischen hing Oldie zwischen Himmel und Erde. Er streckte sich dem Lampenschirm entgegen, wie eine übereife, ergraute Sonnenblume. Der Klappstuhl knirschte, der Klappstuhl klackte, aber der Mann schraubte die kaputte Birne raus, steckte sie zwischen die Lippen, fingerte die neue aus der Schachtel, drückte nun die kaputte mit dem Mund in den Karton und schraubte die frische in die Fassung. „Sauber, sauber“, sagte jemand aus den Tiefen des Palais.

„So macht man das“, sagte Oldie und schickte sich an, den Klappstuhl zu verlassen.
Und natürlich. Da geschah es.  Ein verhaltener Aufschrei flupperte durch die unermesslichen Weiten der Redaktion. Oldie lag auf der Nase. Den platten Karton mit der kaputten Glühbirne unter seiner Bauernpranken. Aber er erhob sich erstaunlich behände, grinste und griff sich an die linke Wade.
„Gezerrter Wadenmuskel“, konstatierte er gelassen. „Jetzt ist PECH angesagt.“
„So kann mans auch nennen, Alter“, grätschte Pepita von hinten rein.
„P für Pause, E für Eis, C für Compresse, H für Hochlagern.“
Was er dann alles tat.
„Da habt ihr wieder was gelernt, was?“
Das, werte Lesende, fanden nun alle, aber auch wirklich alle, sehr, sehr lustig.
Wir, und was gelernt!?
Der war gut, was?

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