Süßes von Songdog (Vol. 1)

Der Weisenrat – die drei verhaltensauffälligen, graubärtigen Rabauken die Klo und Küche des Verlags besetzen, haben beschlossen, dass wir hin und wieder einzelne „süße“ Textproben aus dem unermesslichen Schatz der Songdog Bücher publizieren sollten.
Nach anfänglichem Sträuben, gab die Redaktion nach. Unser einziges, eingeborenes Wiener Mitglied meinte lapidar: „Jetzt is eh scho wurscht.“
Wir machen den Anfang mit einem Kapitel aus Andreas Niedermanns Roman  „Die Katzen von Kapsali“.

Na klar, da kam sie daher. Schon von weitem konnte ich sehen, dass etwas nicht stimmte. Sie hatte ihr T-Shirt geschürzt, und hielt es mit den Händen hoch. Auf den ersten Blick machte es den Eindruck, als wolle sie ihre Titten herzeigen. Aber wem? Die Straße am Strand war leer. Weit und breit niemand zu sehen. Als sie näher kam, sah ich, dass in der Kuhle des T-Shirts etwas war. Es bewegte sich. Es maunzte. Drei winzige Katzen mit verklebten, blinden Augen. So war sie. Rettete drei Katzen vor den Wildhunden, die gerade die Mutter gekillt hatten, warf sie in ihr T-Shirt und brachte sie, na klar, zu mir.

„Da“, sagte sie, „du musst was machen.“

„Was soll ich denn da machen?“

„Was weiß ich? Die Hunde hätten sie sonst zerbissen!“

„Ziemlich sicher. Jetzt werden sie bei uns sterben. Die müssen gesäugt werden. Warum musstet du sie anschleppen?“

„Was hätt ich denn tun sollen?“

„Sie einfach lassen“, sagte ich.

„Das hättest auch du nicht fertiggebracht“, sagte sie. „Obschon du kein Herz hast.“

„Stimmt“, sagte ich, „aber ich bin nicht blöd.“

„Naja“, sagte sie.

Nun hatte ich drei Katzen. Ich sagte Wien nichts davon, aber ich war froh darum. Wieder eine Art Job. Ich musste um das Leben der Katzenbabys kämpfen. Ich hatte gerade nichts anderes zu tun. Die Katzenbabys wurden zur Attraktion in Kapsali. So nichts los war hier. Ich machte mich unverzüglich an die Arbeit. Ich schickte Wien nach Kondensmilch in Dosen. Sie musste dazu wieder den Hügel hoch. Das gefiel mir. So als Mutti hatte man eine gewisse Macht. Sie kam mies gelaunt zurück. Das fand ich nur gerecht.

Ich bohrte drei Löcher in den Deckel der Kondensmilchdose, für jedes Baby eines, ließ mir von Wien einen Slip geben und riss in Streifen. Drei davon drehte ich zu Dochten und drückte sie in die Löcher. Es war nicht mehr als ein Versuch. Eine andere Idee hatte ich nicht. Die Babys waren Säuglinge. Und so verrückt es sich anhört: es funktionierte. Die Babys hängten sich an die Dochte, schlugen ihre kleinen Krallen in den Stoff und lutschten die Milch heraus. Ich war ein Genie.

Ich verbrachte die Tage mit den Babys am Strand. Es war offensichtlich, dass sie mich für ihre Mutter hielten. Sie folgten mir auf Schritt und Tritt. Wenn ich mich in den Sand legte, kletterten sie auf mir herum. Ihre Augen öffneten sich. Sie gediehen. Und ich fühlte, wie ich selber wieder in Form kam. Am Abend nahm Wien die Babys mit auf‘s Zimmer. Dort gab‘s die ganze Nacht Hullygully, und sie schlängelte sich mit einer Flasche Desinfektionsmittel zwischen dem Mobiliar durch, um die Kacke zu beseitigen. Diese Katzenbabys. Einer der Geologen stiftete eine Dose Corned Beef. Nun kriegten sie also auch Corned Beef. Ihre Bäuche wurden prall und ihre Ausflüge ausgedehnt. Ich lag nun meist am Strand und döste. Irgendwann einmal stand ich auf und ging ins Wasser. Das hatte ich schon lange nicht mehr getan. Und siehe da: Die drei Babys folgten mir. Das wird interessant, dachte ich. Katzen sind nicht bekannt dafür, dass sie auf Wasser stehen. Aber was geschah? Richtig. Die Kleinen tappten hinter mir her in die Bucht von Kapsali. Sie folgten mir. Ohne das geringste Zögern. Dann schwammen sie in meinem Kielwasser. Wenn ich sie aufschließen ließ, klettern sie auf meinen Kopf, fuhren ihre Krallen aus und hielten sich an meinen langen Haaren fest. Nach einer Weile  schwamm ich wieder an den Strand. Sie kletterten auf meinen Bauch, rollten sich zusammen und ließen das nasse Fell an der Sonne trocknen. Es war unglaublich und großartig. Als wäre ich Zeuge eines Wunders geworden. Mein Mutterstolz kannte keine Grenzen.“

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