Nainilewen, Henk, und die Dauerwerbesendung mit Boxunterbrechungen

Als ich aus dem Geisteszentrum nach Hause ging, genau
auf der Höhe des wunderbaren Palais Schönburg, dessen Park
- wie schon so viele Male beschrieben - mein Herz erfreut,
bluesgitarrte mein Mobile los. Bevor ich es aus der Tasche
zog und nachsah wer störte, erkannte ich, dass unter der
Linde  bereits hellbraunes Laub lag und in ihrer grünen
Beethovenmähne gelbe Flecken sichtbar waren. Hello Herbst,
sagte ich, und dann knipste ich das Mobile an und sagte:
  "Hello Henk!"
  "Du wirst doch heute nicht etwa etwas über Nainilewen
schreiben, so im Stil von: Wie ich es damals erlebte?
Das wirst du nicht,oder?", ließ er gleich vom Stapel.
  "Es wird Herbst", sagte ich.
  "Also kein Gesülze?", fragte er hoffnungsfroh.
  "Lies das Zeug einfach nicht, wenn's dir zuwider ist",
sagte ich schroff, und fügte noch schroffer hinzu:
   "Was willst du?"
   "Hast du gestern zufällig die Dauerwerbesendung mit Box-
unterbrechungen gesehen. Eine Art Kochsendung unter dem Titel:
Wie klopf ich mir ein kleines Schnitzel zart?"
  "Hab ein bisschen reingeguckt", sagte ich, "aber es war
langweiliger als der Bericht über den Film "Faust" der den
Venediger Löwen gewonnen hat. Da konnte man wenigstens noch
darüber rätseln, wer wem den Arsch aufgerissen hat, damit er
besser reinkriechen konnte..."
  "Wie überaus witzig", sagte Henk, "aber so'n Ding hab ich
noch nie gesehen. Man konnte genau erkennen wie Klitschko
diesen halzwarenen Hänfling, Adamek, stehen ließ, damit die
in den Rundenpausen ihre Werbungsgelder kassieren konnten,
so à la: "Lass den Jungen ruhig noch ein paar Ründchen
stehen, Vitali, sieh aber zu, dass du selber nichts kriegst,
schenk ihm ab und an ein, aber, mein Großer, lass ihn um
Gottes Willen stehen, sonst sind die Werbekunden sauer.
Außerdem steht das so in deinem Vertrag. Kannst ihn dir
ja mal von deinem Bruder vorlesen lassen. Der kann ja lesen,
oder?So, und jetzt raus, und vergiss nicht, immer sachte, ja!?"
  "Genau so war's, Henk. Gut gesehen."
  "Spar dir das Gesimmere. Hast du vorher den Leo Cohen
gesehen?"
  "Hab ich."
  "Darüber wirst du doch nichts absülzen, oder?"
  "Keine Sorge, Henk, ich schreib doch sowieso nur
über die Dinge die mir am Glutaeus maximus vorbeirauschen."
  "Na, weißt du", sagte Henk, "ein bisschen ernster könntest
die Bloggerei schon nehmen. Also echt, ich weiß nicht..."
In diesem Moment bog ein Radfahrer um die Ecke und peste mir
auf dem Gehsteig entgegen. Ich machte nicht die kleinsten
Anstalten auch nur einen Millimeter zur Seite zu gehen...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.