Das Glück der falschen Fährten

Zu Beginn meiner Touren – die andere vielleicht als Wanderungen bezeichnen würden – lege ich mir eine Route zurecht. Aber da ich über keine teuren Wanderkarten verfüge, bin ich auf die Berfex-App auf meinem Phone angewiesen, aber da ich im Allgemeinen ein recht stümperhafter Kartenleser bin, gibt es keine Tour, in der ich mich nicht verfranze.
Was die Irrungen noch befeuert, ist, dass ich manchmal irgendwelchen Pfaden folge, die oft im undurchdringlichen Dickicht enden, und ich mich auch schon mit meinem Messer zum nächsten Pfad durchschneiden musste. Dann hören die Tiere des Waldes einen Menschen lauthals Flüche ausstoßen. Vor allem wenn der Mensch den gesamten Weg wieder zuürckgehen muss, weil es einfach kein Weiterkommen gibt.

Gestern, im Wienerwald, war es wieder soweit: Auf der Suche nach einer Abkürzung folgte ich einem Forstweg, der in einer kleinen Lichtung endete, die eine Vorrichtung mit Kette barg, die in mir den Verdacht keimen ließ, dass man hier Ziegen (Luder) festband um den Tiger anzulocken. Was immer es auch war, es ging nicht weiter, und ich musste zurücktappen.

Und was geschah da? Wasesliwas?
Ich stieß auf einen Cluster ( Myozell?) an Parasolpilzen. Etwa 10 knackige, große Kerle die ihre Schirme aufgespannt hatten. Und nicht nur das. Die ganze Gegend war voll mit Pilzen. Ich liebe Pilze. Leider sind meine Kenntnisse der Mykologie so lausig wie meine Kartenlesekunst. Also musste ich sie stehen lassen. Nur 4 große Parasole packte ich in meinen Rucksack.

Und als ich an der Bushaltestelle auf einen Kronezeitung-Dispenser stieß, gab es auch einmal eine sinnvolle Verwendung für das Hetzblatt.

Zuhause machte ich dann ein Pilzgulasch. Und heute gibt es in Butter gebratenen Parasol auf Toast mit Spiegelei.

„Das Glück der falschen Fährten“ ist auch der Titel einer Novelle von mir, die letztes Jahr bei der Edition BAES erschienen ist. Das nur nebenbei.

Eine Antwort auf „Das Glück der falschen Fährten“

  1. Es gibt dann noch die Kategorie derer, die zwar ganz gut Karten lesen können, durchaus Zugang zu guten Karten haben, aber dennoch nicht glauben können oder wollen, was da steht. „Da kommt man sicher irgendwie durch!“ Das endet bei mir immer wieder im Dickicht, meist eher in Dornen als bei Pilzen.
    Liebe Kinder, glaubt auch mal das, was andere für euch rausgefunden haben. Zeigt mir die Rede über Karten, Sich-Verlaufen usw., die nicht auch gleichzeitig als Metapher fürs Leben taugt. Und, liebe Kinder, kauft „Das Glück der falschen Fährten“, denn es ist ein gutes Buch.

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