Die Hitze und ich

99/60, ist ein bisserl wenig für einen Kerl wie mich, das bescheinigt mir auch das Blutdruckforum im Netz. Meine Gefäße sind weich wie der Straßenteer, geweitet, in den 36 Grad Außentemperatur, geweitet, wie das Rohr, das der Schlosser mit dem Schweißbrenner beheizt. Schluss mit den Pills. Für ne Weile.

Heute fasste ich um 14h23 den Entschluss, nicht mehr unter der Hitze zu leiden, zu stöhnen, mich zu beklagen, sie zu verfluchen, mich zu verfluchen, die Stadt, das Land, die Welt.
Kurz danach verließ ich korrekt gekleidet das Haus und stiefelte in den sechsundreißger. „Siehst du, 36-er, du machst mir keinen Eindruck, du kannst mich mal!“

Dann ging ich in den Botanischen Garten, setzte mich in den Schatten einer Pinus nigra, atmete ihren narkotischen Duft ein und hörte die irren Sirenen der Krankenwagen und der Bullen oben auf dem „Gürtel“ und dachte: Genauso ist Großstadt. Pinienduft und Sirengeheul. Das freute mich.

Touristen in Wurstpellen kamen des Weges, kaum schwitzende Jogger hirschten durchs gepflegte Unterholz, und andere, langsam dahinzottelnde Menschen, wie ich, die der Dreckshitze den Kampf angesagt hatten und auf ihre Kosten kommen wollten.

Die Hitze arbeitete sich an mir ab, versuchte es mit Tiefschlägen und verbotenen Ellbogenchecks, aber ich blockte alle ab, weil ich sie kommen sah, und manchmal schweiften ein paar Böen des Südosters durch die Zweige und leckten an meinen putzigen Schweißperlen auf der Stirn. Das war nett.

Danach machte ich mich auf den Weg nach Hause, nahm eine Dusche, riss das Fenster auf und ward für immer von Hitzestress geheilt.
Fuck you, Sommer! Siehst meinen Finger?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.