Irgendwie süß und widerlich (wie das Dschungelcamp)

In den siebziger Jahren verkehrte ich eine Weile mit Kommunisten. Das war – in mancher Hinsicht – faszinierend. Einige meiner Freunde aus dem Lehrlingsheim waren der Partei beigetreten und was sie zu berichten wussten, war einfach süß.
Nehmen wir zum Beispiel die Frage der Atomkraftwerke: War die Partei dagegen oder dafür? Sie war natürlich dagegen. Aber nur im kapitalistischen System, beim Klassenfeind. Nach der Revolution war man für AKW’s, denn die Diktatur des Proletariats brauchte die Unterstützung des Atoms, um den Hegemon und Imperialisten zu besiegen.
MIt der Aufrüstung verhielt es sich genauso. Dagegen bei den Kapitalisten, dafür bei den Kommis. So wurde mit allen damaligen, drängenden Fragen und Problemen der Zeit verfahren.

Seit zwei Tagen fühle ich mich wieder in die siebziger Jahre versetzt. Jubel von Links (und ganz, ganz rechts!) über den Sieg von Tsipras. Dass dieser Tsipras mit einem antisemitischen, paranoiden Nationalisten und Anhänger faschistoider Regime wie Russland, koaliert, stört nicht weiter. Verwerflich, inakzeptabel und Grund für lautes Geschrei wäre eine Kolaition mit Panos Kammenos nur, wenn sie von der demokratischen Rechten eingegangen würde.

Irgendwie süß und widerlich. Wie das Dschungelcamp.
Aber bestimmt nichts Neues.

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