Probleme eines Korruptionisten

Da ich herausgefunden habe, dass ich offenbar auch korrupt bin, beschert mir diese Einsicht ein kleines Problem. Eben las ich, dass die ÖVP gegen Korruption ist. Das bringt mich in Nöte. Da ich von mir nicht zu 100 % behaupten kann, unkorrupt zu sein, weiß ich jetzt nicht, ob ich auch, wie die ÖVP, antikorruptionistisch predigen soll oder nicht? Es ist ein bisschen wie in dem Witz, wo der eine seinen Freund fragt, wie’s denn so mit seiner Therapie gegen’s Hosenscheißen laufe, ob er jetzt, wo er doch beim Psychiater sei, damit aufgehört habe? „Nein“, sagt der Freund, „aber jetzt habe ich Freude daran.“

Soll ich jetzt also, als Korruptling, für die Korruption sein? Und Freude daran haben? Oder wie die Leute der ÖVP, korrupt gegen Korruption sein? Schwierig.

Die Katholiken von der ÖVP haben kein Problem damit, korrupt gegen die Korruption zu sein, denn das ist ihrem Glauben immanent. Man ist korrupt, geht beichten, betet zwei Ave Maria und drei Vaterunser, und die Sache hat sich. (So a bissi Korrupt sein, is ja ka Todsünde nicht.)

Für den Agnostiker stellt sich das Problem anders. Obschon er Agnostiker ist, möchte er doch auch ein guter Mensch sein. Und Korruption ist irgendwie nicht gut. Das weiß er. (Auch der Kathole wüsste das.) Der Agnostiker muss mit seiner Korruptionsschuld leben. Das ist Arbeit. Er muss versuchen, sich zu bessern. Das ist noch mehr Arbeit. Oder aufhören sich als guter Mensch zu empfinden. Das ist harte Arbeit.

Den Katholiken von der ÖVP muss das nicht stören. Wie ihn auch nicht stören muss, wenn er durch seine Lügen und Korrumpiertheit, die Wahlen verliert. Denn er kann, anders als der Sozi, ruhig mit den Nazis koalieren. Das macht seine Korruption nicht nur gelassener, sondern auch noch wild und süß.

Der korrupte Kathole fährt in diesem Land immer auf dem Highway des Triumpfs. (Natürlich sind auch die Sozis Katholen.)

Ist ein bisschen komisch, dass ICH jetzt das Problem habe.

Die sind echt gut.