Ich werde daran arbeiten

Ich bin in den Bergen. Es regnet. Am Morgen war Nebel, und als der Nebel sich verzog begann es zu regnen. Es ist frisch im Haus. Selbst für mich. Ich habe einen leichten Muskelkater. Sehr zart, aber doch. Vom ausgedehnten steil Abwärtsgehen.

Ich nehme Youtube-Bassstunden, die ich auf einer Gitarre absolviere. Warum? Kein Bass und weil ich nicht immer lesen kann. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.
Ich höre Radio. Kultur. Literatur. Lerne neue Begriffe wie „Workism“. Und lese in einem Roman den zitierten Satz von Rolf-Dieter Brinkmann: Lasst das Stille-Virus frei!
Widerstand, war zu lesen, beginnt mit der Fähigkeit zur Stille. Soll von Brinkmann sein, der es von Burroughs übernommen hat.
Es war des Nachts so still, dass ich das Fenster öffnete, damit ich den ewigen Bach hören konnte. Yeah. Ich komme direkt aus der Lärmhölle meiner verrückt gewordenen Straße. Baulärm. Menschenlärm. Musikterror. Lärm.
Der Mitmensch? Eine unerschöpfliche Lärmquelle. Wie wird das erst, wenn er nicht mehr gelockdownt ist. Gänsehaut!
So fuck’em. All.

Kochte ein veganes Gulasch, das schmeckt und aussieht wie Gulasch. Kochte auch eine Thunfischsoße für die Spaghetti, ebenso eine „Bündner Gerstensuppe“ ohne Bündnerfleisch. Ich plane noch einen griechischen Eintopf mit Fisolen, Kartoffeln und Tomaten. Und einem halben Liter Olivenöl. Fassolakia ladera. Bohnen heißen: Fassolakia, Fisolen (österreichisch), Fagoli.

Habe indisches Naanbrot aus „Bündner Urdinkel“ (was immer das auch sein mag) gebacken. Alles wegen des Regens. Und weil ich eine feine Auswahl haben werde, in den nächsten Tagen. Auch wenn Besuch kommt. „Gerstensuppe oder Gulasch?“ „Fassolakia ladera oder Spaghetti al tonno?“ Oder von allem ein bisschen? Mit Naan?

Werkte gestern im „Schlund“, traf Vorbereitungen um ein paar gefällte Bäume nach oben zu bringen. Aber der Regen. You know.

Aber was soll das mit „Workism“? Selbst in Viedospielen spielen die Mitmenschen „Arbeiten“. Warum?
Ich habe nie gerne gearbeitet. Obschon ich es gut kann, wie kaum einer. Ist Arbeit nicht eigentlich ein Fluch? Read the fuckin Bible. Fuckin Moses. Genesis.
Müsste man „Workism“ nicht in die glorreiche Gilde der Todsünden aufnehmen? Bei derselben Autorin las ich, dass sie „als Kolumnistin arbeitet“. Arbeiten? Sowiit chunnts no! Ich arbeite als Bassstudent. Jetzt gerade arbeite ich an einem Blogeintrag. Bin ich auch schon dem „Workism“ verfallen? Dem narkotischen Opium der rast-und ratlosen Stilleverweigerer.
Auch ich?

Aber nicht doch. Offiziell bin ich Rentner. Was das nur zu bedeuten hat?
Ich werde daran arbeiten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.