Covi-Diary (32)

Wie merkt man, wenn etwas, was nicht so normal war, nun wieder normal wird? Antwort: Es wird laut.
Ich vermisse bereits jetzt jenes Wien, das sich auch Georg Kreisler in einem Song gewünscht hat, und das er leider nicht mehr erleben durfte. Siehe Covi-Diary (6).

Jetzt wo es normal ist, dass man sich aus dem Weg geht und das Vermummungsverbot in Permanenz gebrochen wird (man könnte sagen: Mit einer Burka wär man bestens bedient), die Angst gewichen ist, und man schon bald wieder in den Arztpraxen und beim Friseur rumsitzen darf, und der Gürtel wieder röhrt und tobt, wird einem bewusst, wie beschissen diese Normalität eigentlich immer noch ist. Ohne Kneipe, ohne Wegfahren.
Es ist ähnlich wie der Spruch, der bei einer Freundin über dem Kücheneingang prangt: „Nüchtern betrachtet, war es besoffen besser.“

Ich weiß, dass diese Normalität für viele überlebenswichtig ist: Z.B. Alleinerziehende mit drei kleinen Kindern in einer 30 qm Wohnung. Und dergleichen. Das ist die Härte. Mein Beileid.

Die Radfahrer pesen auch schon wieder auf den Gehsteigen, Bauarbeiter mit ihren Smartphones in den dreckigen, verkrusteten Handschuhen, die nur noch einarmig arbeiten können, das normale stumpfsinnige Gebrüll aus der Wohnung schräg gegenüber (Ich glaube, sie nennen es feiern oder Party), Kindergestreite aus dem Hort. Wir kriegen nur den Normalitätsmüll zurück. Die guten Sachen werden wir lange nicht haben.
Und so brauch ich auch diese „Normalität“ nicht.
Ich will meinen Shutdown wiederhaben.

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