Covi-Diary (31)

Ich kann mich nicht erinnern jemals so lange in einer Schlange gestanden zu haben, wie heute morgen. Vierzig Minuten. Ich stell mich nie in eine Schlange, die aussieht als würde sie länger als 7 Minuten dauern. Aber heute musste ich eine Ausnahme machen. Es ließ sich nicht aufschieben. Ich musste es tun. Was für ein Erlebnis!
Es war in einem großen Hinterhof der zu einem HIntereingang führte, und ich war extra 5 Minuten vor Öffnung da. Aber vor mir waren schon etwa 10 Mitmenschen mit Mundschutz und Handy, und als ich etwa 10 Minuten stand, war der Schwanz der Schlange schon nicht mehr zu sehen. Ich aber war vorbereitet und kam mit Eike Geisel. Ich stand in ner Schlange und las. Ging ganz gut. Hatte ich noch nie gemacht. Lesen in Schlange. Die Vorstellung davon war wesentlich schlimmer, als die Wirklichkeit. Um ehrlich zu sein: Es hat mir nichts ausgemacht. Und ich empfand Mitleid mit jenen, die am gewundenen Schlangenschwanz auf dem Gehsteig standen, und nicht mal sehen konnten, wie lange der Scheiß noch war. Waren bestimmt an die 50 Leute. Wie ich beim Rausgehen feststellen konnte.

Das Rausgehen war dann allerdings nicht ganz „socialdistancing-like“. Ich stelle fest, dass gerade in diesen Zeiten das „Womenblocking“, das weibliche Pendant zum „Manspreading“, etwas zugenommen hat. Ich war ja jobmässig als Koch täglich in diversen Supermärkten unterwegs, und da bekommt es oft mit Womenblocking zu tun. Es ist eine Form von Rücksichtslosigkeit (im Wortsinn), die vor allem von Frauen begangen wird, wie Manspreading von Männern.
Das Abstellen von Einkaufswägen an Engstellen, so dass kein Durchkommen mehr ist. Dann das Chatten auf Gehsteigen an verengten Stellen, wenn zum Beispiel ein Elektrokasten, ein Hydrant oder eine Baustelle den Durchgang eh schon erschweren. Und so weiter und so fort. Man müsste nur einen oder zwei Meter weiter gehen. Aber oft ist dies dem weiblichen Mitmenschen nicht zumutbar.
Sie haben bestimmt einen Grund dafür. So wie die Manspreader auch einen haben: Sie signalisieren den Mitmenschen, dass hier ein Arschloch sitzt.
Wie das bei den Womenblockern ist, werden uns dereinst die Psychologen erklären.

Aber ein guter Tag, auf jeden Fall. Vor allem auch, weil ich eine geniale Lösung für eine Fahhradreparatur gefunden habe. Und wie alle wissen, macht reparieren glücklich. Mich auf jeden Fall.

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