Covi-Diary (27)

Am Ufer des Kanals, nahe am Wasser bei dem großen Steinen, war ich zurück in den Frühlingen meiner Kindheit, am Ufer der Aare, wenn sie vor der Schneeschmelze in den Bergen, noch wintermager, Teile ihres Betts herzeigte, manchmal halbverendete Fische zwischen schlickbesetzten Steinen; und als sie roch, wie sie sonst nie roch: fischig, gammlig, schlickig, gärend.
Aber heute morgen war es nur der Donau-Kanal, und ich tat noch immer gerne, was ich schon als Kind am Liebsten tat: alleine umherstreifen. Die Welt war ein Abenteuer.
Und jetzt, in der Jugend des Alters, kommt sie wieder zu mir, diese Lust zu gehen, zu streifen, in Flüssen und Seen zu schwimmen, mich durchs Dickickt zu schlagen, im Freien zu schlafen.
Woher? Warum? Weshalb?

Später, auf dem Rückweg durch den 1. Bezirk, auf den leeren Kreuzungen des Ring, auf den leeren Plätzen, in den leeren Gassen die Fotografen. Und man konnte bereits die kommende Bücherflut erahnen: „Das war Corona 2020“

Dann bei der Sezession, das Marc Anton Denkmal, und die Erinnerung an (glaube ich) 1992, als ich für das Tagesanzeiger-Magazin eine kleine Repo über den damals unglaublich beliebten und noch berühmteren Dieter Moor schrieb, und der Fotograf ihn auf die goldene Blätterkugel auf dem Sezessionsdach setzen wollte, und wir war am Denkmal vorbeigingen und Moor sagte: Unglaubliche Ausstrahlung von Macht, was natürlich richtig gesehen war, und es auf der Treppe zu einem Menschenauflauf kam, und die Leute tuschelten und die Hälse reckten, weil Dieter Moor leibhaftig in die Sezession ging.

Zuvor hatte er mir im Café Museum verkündet, dass Kunst von Kommunikation komme, und dass ich „es geschafft habe“, wenn das Tagi-Magi mich für eine Repo engagierte. Natürlich war das eine wie das andere völliger Blödsinn, aber immerhin hatte ich geschafft, dass ich von nun an von den Obern im Café Museum nicht mehr abgesnobt wurde, da sie mich mit Dieter Moor gesehen hatten, und das war auch das einzige, was von der Geschichte gut ausging.

Voll durch den Naschmarkt, vorbei an den Fresslokalen mit den winzigen Tischen, enger als in Paris, Lokale die bereits mit meiner Anwesenheit überfüllt wären, aber jetzt woa goa nix, und das war auch gut so.

Ein wenig wehmütig am „Anzengruber“ vorbeigstreift und dann rauf auf die Wieden, der Heimat der Mizzi Schinagl, die jetzt auch meine Qualantäne ist.

Cheers!

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