Covi-Diary (21)

Ich wachte heute morgen auf, und es hörte sich an, als wäre alles wieder normal banal. Bauleute brüllten herum, die Müllabfuhr zwängte sich röhrend durch die Gasse, ein Laster wechselte die volle Mulde aus, Stimmen, Kindergeplärr, Kötergebell.
Das alles brachte mich auf den Gedanken, dass der „Wiedereinstieg“ in das „normale Leben“ nach Covid19 in schmerzlicher Banalität vonstatten gehen könnte. Es geht einfach wieder weiter. Nur lauter. Erst mit viel Hallo und Bussi-Bussi, und auf den Straßen brechen sie nun Geschwindigkeitsrekorde – so lange das Pedal nicht mehr voll durchgetreten–, die U-Bahnen wieder überfüllt, und das alles fern von den großen Gefühlen, die man sich nach „Qualantäne“ (©Niedermann) erhofft hat.
Und manchmal, in den nun raren Momenten der Stille, wünscht man sich – ein wenig verschämt – den Zustand zurück, denn – fuck! – es ist einfach alles nur noch lauter geworden.

Aber was soll’s: Leben heißt lärmen. Nicht Born to be free, sondern Born to make Noise.

Aber das war nur so ein Gedanke, und wie er gekommen ist, so verschwand er auch wieder.
In den Supermärkten machten sie heute ernst und ließen einen nur mit Maske rein. Recht so. War alles ein bisschen hektisch.
Zum ersten Mal seit Wochen, versahen auch die Bettler wieder ihren Dienst. Natürlich mit Maske und ausgestrecktem Becherarm.

Die Regierung verkündete, dass sie den einschnürenden Kragen etwas lockern will. Nach Ostern zarte Öffnung des ersten Hemdknopfes. Hoffen wir mal, dass dies nicht bei vielen das Fanal ist, sich das Hemd vom Leib zu reißen, so dass der ganze Scheiß wieder von vorne losgehen muss, nur diesmal mit 38 Grad im Schatten.

Aber wie immer es dann auch sein mag: Es ist nicht jetzt. Also vergess ich das alles gleich, und widme mich wieder Erik Satie.
Die stillste Musik ever …

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