Covi-Diary (18)

Der Himmel über Wien, heute so sehnsuchtsvoll in seinem mediterranen Azur, diese süße Magie der Täuschung, denn an solchen Frühlingstagen sieht es aus, als läge hinter der schönen Skyline das Meer.

Ich stand am Gürtel vor dem Hauptbahnhof, auf dem Weg zu „Merkur“ in der Favoritenschlucht, am Columbusplatz. Die Ampeln waren grün, aber ich ging nicht, denn ich steh so gern an dieser Vielspurenstraße, wo der ganze Traffik zusammenfindet. Sie S-Bahn, die Straßenbahn, die Züge weiter hinten, und all die Autos, die von der Autobahn abgefahren sind, und jene die drauf wollen.
Unwirklich war es mit einem Mal, dieser ganz Covid19-Shit, als wäre ich gerade aus einem Traum erwacht, der nicht bedrohlich, nur etwas seltsam war.

Der „Merkur“ am Columbusplatz ist einer der größten Supermärkte in Wien, und ich geh manchmal hin, weil es ein bisschen wie eine Migros, allerdings mit fetter Alkohol-Abteilung ist. Am Eingang wurde man darauf aufmerksam gemacht, dass man die Zeit zwischen 8.00- 9.00 den Senioren und den Risikogruppen zum Einkauf lassen sollte.

Der war gut.
Es war kurz vor 10.00 und ich stieß ausschließlich auf Oldies, die mit ihren Einkaufswagen herumzirkelten, als hätten sie alle darauf gewartet, dass endlich 9 Uhr vorbei ist. Denn heute ist niemand mehr freiwillig alt, und wer lässt sich schon als Risikogruppe titulieren?
Nun, ich schlage vor, dass man denjenigen, die solchen Shit aushecken zuvor einen Basic-Kurs in Psychologie besuchen lässt. Schätze mal, fünfzehn Minutem würde ausreichen.

Und sonst? Ösi-Promis lesen „Die Pest“ von Camus. Wie originell. Gemeinschaft herstellen. Derweil sich die Mitmenschen in den Wohnhäusern gegenseitig das Leben mit Live-Musik und Musik von Supersoundanlagen, das Leben zur Hölle machen. Denn, wie ich schon sagte: Die Musik ist der Terror.

Wieso nicht Gemeinschaft durch die Anstrengung dem Mitmenschen nicht auf den Sack zu gehen? (Man wird ja wohl noch träumen dürfen, oder?)

Schätze, wenn die Covi-Kiste weitergeschoben wird, was sie sicher wird, so werden wir schon bald von Hackebeilmorden lesen und hören.

Denn der Mitmensch der Postmoderne fürchtet nichts mehr als die Stille. Geboren um zu lärmen …

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