Covi-Diary (10)

Ich schätze mal, es ist eine Frage von Tagen und Wochen, bis man an uns Alte und Gefährtdete herantritt und mit eindringlichem Unterton in der Stimme fragt, ob wir nicht auch der Meinung sind, dass man Opfer bringen müsse. Alle. Aber besonders wir, die Alten, die, die schon herumgelebt haben, und von denen einige nur noch das Grab als Zukunft im Blick haben.

In Russland soll es bereits soweit sein: Die Alten und Gefährdeten werden isoliert.
Man wird auch hier nicht darum herumkommen, sollte nicht noch irgendein weißer Schwan auftauchen, der den schwarzen verjagt und uns rettet. Denn wenn nicht, geht die Wirttschaft vor die Hunde, und wenn die Wirtschaft geht, wird uns unser altes Leben auch nicht mehr viel nützen.

Ich bin bereit, mich zu opfern.

Wir sollten, wie es in Pestzeiten üblich war, mit einer Klapper ausgerüstet werden. Damit man uns großzügig Platz machen kann. Wir sollten auch Lokale kriegen. Zum Beispiel das Billardzimmer im Anzengruber. Mit separatem Eingang.
Diese Klapper kann durchaus elektronisch sein. Eine App, die Vibrationen bei anderen Handys auslöst, wenn wir dahertappen. Oder kleine Stromstösse (Auch die Jungen müssen was opfern, damit wir auch ein bisschen Spass haben). Und wer nicht den uns gebührenden Abstand einhält, bei dem sollte ein unwiderstehlicher Harndrang ausgelöst werden, damit er sich einnässt.

Man sollte uns auch einen Teil des wirtschaftlichen Erfolgs in Form von Penunze abtreten. Damit wir uns im Billardzimmer des Anzengrubers ein paar Flaschen Chivas Regals bestellen können.

Wie gesagt: Ich bin bereit.
Denn wenn nicht, werde ich vermutlich als Erntehelfer anheuern müssen. Denn ich bin pleite. Als „Kulturschaffender“ sowieso, und auch sonst.

Also lasst hören, ihr Scheißerles!

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