Camus (encore une fois)

Ich sitze auf dem Fahrradergometer und lese wieder einmal mein Lieblingsbuch von Albert Camus „Der Mythos von Sisyphus“. Es ist in Teilen noch immer schwierig zu verstehen, und ich lese vorsichtig und wiederholend. Neben mir, halber Meter entfernt, rappelt das Laufband unter den Schritten einer Sportlerin. Der Gym am Morgen ist eine große, freundliche, gleichmäßig laufende Maschine. Es tut gut, ein Teil von ihr zu sein.

Und wie jedes Mal, wenn ich wieder Camus lese, erinnere mich an meine erste Begegnung mit ihm. Ich war 17 oder 18 Jahre alt. Ich weiß nicht mehr, wie ich auf ihn gestoßen bin, aber damals las ich drei-vier Romane pro Woche, und irgendwie geriet Camus’ „Der Fall“ in meine Hände. Ich war begierig darauf ihn zu lesen, denn eine Bekannte und ihr Freund hatten mir sorgenvoll mitgeteilt, dass verrückt wird, wer Camus liest. Eine bessere Empfehlung für ein Buch habe ich nie wieder bekommen. Nichts wollte ich mehr, als mein Bewusstsein verändern. Mit was auch immer.

Ich erinnere mich an die Verstörung, die „Der Fall“ in mir ausgelöst hat. Der Roman sog mich ein, ich konnte mich dieser gefährlichen Stimmung, die er erzeugte nicht entziehen. Er wirbelte alles was ich bisher geglaubt und gedacht hatte durcheinander, und es gelang mir nie wieder die Dinge, wie sie gewesen waren, zusammenzusetzen. Es war großartig und gefährlich. Gefährlich, weil mir die Erfahrung fehlte, um dem Roman etwas entgegenzuhalten. Ich musste das Ding schlucken und damit klar kommen.

Dann las ich auch die anderen Bücher von Camus. „Der Fremde“, „Die Pest“, „Der Mythos…“ und den Rest auch. Ich denke, ich wurde damals eine Art Existentialist. Und ich bin es noch. Aber was ist ein Existentialist? Ich weiß es noch immer nicht genau. Die Sinnlosigkeit allen menschlichen Tuns aushalten, und diszipliniert sein Bestes geben? So irgendwie …

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