10’000 Schritte

Sich über unsinnige Dinge Gedanken zu machen, könnte mein Hobby in dieser unsinnigen Zeit werden.
Zum Beispiel über die empfohlenen 10’000 Schritte täglich. Was für ein Quatsch! 10’000 Schritte sind etwa 7,5 Kilometer. Wo werden die absolviert? In der Küche? Im Büro? Vom Schreibtisch zum Klo und zurück. 7,5 Km, das sind an die 2 Stunden reine Gehzeit. 10’000 Schritte erreiche ich als amtlich bekannter Fußgänger nur an Ausnahmetagen. Wobei natürlich meine tägliches Ergometerradeln nicht eingepreist ist. Das wären dann schon mal gut 6’000 Schritte. Zum Gym sind es 1,1 Kilometer. Macht 2,2 insgesamt. Dann noch ein bisschen Einkauflatschen dann komm ich so ungefähr auf 3000 Schritte.

Wo sind eigentlich all diese zehntausend Schritte Geher? Auf der Straße kann ich sie nirgends entdecken. Und um von der Haustür zur U-Bahn-Tram-Bushaltestelle zu kommen, das bringt, wenn man großzügig rechnet vielleicht 800 Schritte. Täglich 12 mal zum Bus pilgern? Warum nicht? Man hat ja sonst nchts zu tun.

Und dann das Treppensteigen. Soll man ja auch.
Dazu ein kleiner Text aus „Blumberg2“ :

„Das Treppenhaus war so breit, wie ein Treppenhaus nur breit sein konnte, es war das breiteste Treppenhaus, das Isa Blumberg je betreten hatte, und deswegen nahm sie nie den Lift, obschon sich die Praxis von Dr. Lasker-Meir im fünften Stock befand. So ein tolles Treppenhaus, dachte sie jedes Mal, wenn sie nach oben ging. Die Stufen waren die angenehmsten, elegantesten und wohlproportioniertesten, auf die sie je ihre Füße gesetzt hatte. Und trotzdem war sie hier noch nie einem Menschen begegnet. Nicht einmal einem, der nach unten unterwegs war. Das mochte an den beiden geräumigen Liften liegen, die ziemlich fix zu sein schienen. An denen, und an der allgemeinen Bequemlichkeit. Vielleicht auch daran, dass seit einiger Zeit alles zum Porno gewendet wurde. Age of Porn. Die Gesundheitsratgeber verkündeten täglich, wie nötig es war, sich mehr zu bewegen. Und so wie man sich Kochsendungen mit Foodporn-Aufnahmen ansah und dann die Fertiglasagne in die Mikrowelle schob, so machten einen die Gesundheitsratgeber scharf aufs Treppensteigen, aber wenns dann tatsächlich so weit war und man den Mühen live ansichtig wurde, stieg man doch lieber in den Fahrstuhl. Wie es sich mit Sex verhielt, darüber wollte sie nicht nachdenken. Nicht in diesem schönen Treppenhaus. „

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.