Geschieht uns recht

Ich las wunderbare Sätze wie diese: „…Wenn er Schriftsteller ist, neigt er dazu, nur mit anderen Schriftstellern zu verkehren und mit diversen Schmarotzern, die sich vom Schreiben mästen. Für all diese Leute ist die Literatur mehr oder weniger die zentrale Tatsache des Daseins. Wohingegen sie für eine Unzahl durchaus intelligenter Menschen eine unwichtige Nebensache ist, ein MIttel zur Enstpannung, zur Flucht, eine Informationsquelle, und manchmal eine Inspiration. Aber sie könnten weit leichter ohne sie auskommen als ohne Kaffee oder Whiskey.“
Raymond Chandler „Briefe von 1937- 1959″

Hinter diesen Sätzen lief der Fernseher. Tatort. Da ich las, musste ich ihn mir nicht ansehen, obschon ich es erwogen hatte. Weil ich müde war, vermutlich. Aber es reichte, eine Weile den Ton zu hören, die Dialoge. Es waren scheinbar dieselben  Dialoge, die ich schon in den anderen Tatorten gehört hatte, die auch nicht zu Ende geguckt hatte. Der Ton, das Gesprochene passt auf jeden anderen auch. Es ist schier unglaublich, dass sich immer noch Millionen finden, die sich das ansehen. Nach zwei Minuten wurde ich sauer, nach 5 war es bereits unerträglich, und nach weiteren Minuten wurde es unglaublich und irgendwie phantastisch, und noch etwas später wird man  im Glauben gefestigt , dass alles, was uns blüht, wir auch verdient haben. Wir sind zu dämlich. Wir sehen Tatort.

Aber von Chandler wissen wir, dass es in der Literatur auch nicht besser aussieht.
Geschieht uns recht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.