Die Wengen Elegie

Wie jedes Jahr, gegen Ende der Sommerfrische:

Die Wengen-Elegie:

Die Nacht kommt wie ein trunkener Bestatter, der leise und langsam den Sargdeckel  über die schrumplige Leiche des Tages sinken lässt, während Ryan Adams Stimme aus dem Fenster schlägt, wie Flammen aus den strohigen Eingeweiden von brennenden Kuscheltieren. Der Rye-Bourbon  tränkt mein glimmendes Herz mit Jubel, und ich träume, ich wäre ein Mann, der eine Winchester über der Tür hängen hat, träume, ich wäre ein Mann, der auf der anderen Talseite ein Stück Wald gerodet und aus den Stämmen ein Blockhaus baute, und dass aus der Lichtung eine Viehweide wurde, wo böse, gefährliche Rinder grasen, die genau wissen, was ihnen blüht.
So träumend fand mich die Nacht, so glückselig, wie Jack Kerouac, der betrunken in seinem Plymouth aus dem nächtlichen Denver rauscht. Westwärts, westwärts, durch dieses Amerika das zusammen mit Jack starb, vor dem Fernseher, in einer Hand das Bier, in der anderen der Bourbon, traurig und beat wie nie, geschlagen mit dem zerstörerischen Ruhm, nach dem noch immer alle Dummköpfe gieren.
Noch singt mein Herz…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.