Treue

Die Abendsonne flickerte durch die raschelnden Blätter des Lindenbaums. Später kam der Nebel aus dem Tal zu mir herauf, wie freundlicher, verspielter, nach kühlem Fels schmeckender Rauch. Er verzog sich gen Nordwesten, hüllte das Nachbarshaus ein, zog weiter, und neue Schwaden kamen und führten das Angefangene fort. Ich saß auf dem Balkon, trank George Dickel, bewunderte die Arbeit des Nebels, des weißen Negers Wumbaba, und hörte etwas von Willi Nelson.

In der Nacht kam der Regen und mit ihm der Wind, und  sie bearbeiteten gemeinsam die Blätter der Linde, es prasselte, tropfte und raschelte die ganze Nacht.
Ist das spannend? Irgendwie schon.
Es ist kühl, und wenn es kühl ist, erlischt die Vorstellung von der Sommerglut, die nun anderswo die Städte einkerkert.
Sie wird abwarten, bis ich wieder da bin, wo sie auch ist. Die Hitze mag nicht ohne mich beginnen. Nichts ist treuer als der Schmerz. Merkt euch das.

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