Büezer Herz

Büez: berndeutsch für Arbeit

Wenn man allenthalben das Schweizer TV oder das Radio anmacht, so kommt es  vor, dass man auf den Autor Pedro Lenz stößt, man stößt so oft auf ihn, dass man sich zu fragen beginnt, was die Redakteure tun würden, gäbe es den Pedro nicht.
Aber es gibt ihn. Zum Glück. An der Küchentür meiner Verwandschaft hängt ein Poster von ihm. Er sieht gut aus. Man hängt sich gerne ein Poster von ihm in die Küche. Man kann Pedro Lenzens Gesicht auch auf enormen Plakaten sehen, und sein Buch „Dr Goalie bin ig“ (Der Goalie bin ich), eroberte – gefühlt- so einige Kunstgattungen, schätze, die Oper ist in Arbeit, das Ballett ebenso, und auch die Kondome mit Kafimitschussgeschmack. Wollen wir hoffen, dass es so ist, denn um in der Schweiz als Autor von den Produkten der Büez zu leben, ist eine eigene Kunst. Aber die Schweiz braucht einen wie ihn. Einen Autor, der ein guter Kerl ist, aufrichtig und ehrlich (redundant, ich weiß), einer der ein soziales Gewissen pflegt, einer, dessen Herz  für die einfachen Leute schlägt, die Loser und die schrägen Outcasts, einer, der das Volk nicht der SVP überlässt. Ein Mann, dem man höchstens vorwerfen kann, dass man ihm nichts vorwerfen kann.

In einem Interview sprach er dann von seinem „Büezerherz“. Ich horchte auf. Das gefiel mir. Der berühmte Autor hat nämlich 7 Jahre als Maurer gearbeitet, eine absolute Rarität, sozusagen eine Preziose, in dem Schwall von Literatenbiografien. Ja, ein Büezerherz. Hab ich auch.  Zum Glück. Denn wenn die Jugend weg ist, ist meist auch der Rest weg, und es bleibt einem nur die Büez, die Arbeit.
Die Arbeit am Roman, und die Arbeit im steilen Schlund, wo zwei Dutzend gefällte Bäume liegen, die ich mit Winden und Seilen herausziehe, metrig säge und auf die altmodische Art (mit Keilen und Schlegel) spalte.

Leider bin ich kein so guter Kerl. Und mir liegen die Leute auch nicht am Herzen, ich finde die Leute immer dann am Besten, wenn sie ihr DIng machen – weit weg von meinem Ding. Aber ich kann nichts dafür, so wie Pedro nichts dafür kann, dass man ihn einfach mögen muss. Auch, sagte er, fahre er immer 2. Klasse. Ich fast nie. Ich weiß, das ist schockierend. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich eigentlich nie Geld habe.
Aber ein Büezerherz habe ich trotzdem. Und was für eins.

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