Die Knallbar Diaries (8)

Die letzten Tage. Habe ich gearbeitet? Habe ich? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Vielleicht habe ich auch, im Gedenken an Lemmy Kilmister eine Flasche Turkey rare breed 112,8 Prrof (56,4 %) gebleckt. Wer weiß das schon?
Jedenfalls habe ich einen Blick in die Echo-Preis-Verleihung riskiert. Bin ich wahnsinnig geworden? Könnte sein. Da saßen sie alle. Eine/r wie der/die andere. Gleichgeschaltet. Dumm wie ein Lager voll kaputter Heizkörper.
Zum Glück rief zu später Stunde noch ein Journalist an und holte mich da raus.
Er wollte ein Interview. Hab vergessen zu was. Der Turkey, der wilde, you know. Aber ich erinnere mich dunkel, dass er mich fragte, ob ich nicht einen Rat für die jungen Leute hätte? Normalerweise fragen sie das irgendeinen berühmten Schauspieler, der sich, weil er mal unter Luc Bondy gespielt hat, für einen Intellektuellen hält. Nun, war also ich dran.
Na, klar, sagte ich, hab ich. Und der wäre, sagte der Schurni.
Mein Rat an die Jungen ist, sagte ich, und machte eine lange, lange Pause, bis er anfing blöd zu hüsteln, dann fuhr ich fort, meine Rat ist: Wenn ein Journalist anruft, und euch nach einem Rat für die Jungen fragt, dann schmeißt ihn raus.
Dann legte ich auf, torkelte durch alle Zimmer, sah, dass sie alle leer waren, denn meine Familie war gerade in Irland. An einer indischen Hochzeit, oder sowas. Das war traurig.
Dann legte ich mich komplett angezogen auf das harte Eichen-Parkett um zu schlafen.
Auch wenn man berühmt und so reich ist wie ich, sollte man nicht vergessen, woher man kommt, und sich keinesfalls vollständig der Härte eines entbehrungreichen Lebens entwöhnen.
Das hätte ich dem Schurni sagen können.
Aber das hat er nicht verdient…

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