Regretting Dad

Es war an der Zeit. Wirklich.
Gestern versammelte ich die Familie am Frühstückstisch, die beiden kleinen Mädchen, meine Frau, und sagte, dass ich ihnen was zu sagen hätte.
Ich ging gleich in medias res, wie wir es bei den anonymen Regretting Dads (ARD) besprochen haben. Also, sagte ich, hört zu, ich liebe euch, aber ich würde euch auch gerne über den Haufen schießen, denn ihr steht mir im Wege auf dem Weg zu mir selber. So.
Die Größere kriegte das offenbar in den falschen Hals und fing sofort an zu heulen, und als die Kleine sah, dass die Größere heulte, fing die auch an. Und dann heulte auch meine Frau, weil sie nicht mitansehen konnte, wie die beiden Kleinen heulten. War ein bisschen traurig. Aber es musste sein. So haben wir das bei der ARD besprochen: Keine Tabus. Außer dem Tabu, dass nichts mehr Tabu sein darf.
Alles muss raus. Das Gewölle hervorwürgen. Am besten den anderen vor die Füße. Und die Kleinen können nicht früh genug lernen, dass es keine Tabus geben darf, dass man heutzutage – nicht wie früher – nichts mehr für sich behalten soll, sondern einfach raus damit. Die Bestseller-Autoren machen es vor. Kommt der eine mit einem 500 Seiten persönlichen Laber daher, übertrifft ihn der nächste mit 600 Seiten und dann doppelt der dritte mit 800 Seiten nach.
So ist’s recht. In den Orkus mit den Zeiten, als man noch zum Schweigen verdammt war, nur um die Gefühle anderer nicht zu verletzen.
Ist ja nicht alles super heute, aber dass man jetzt rückhaltlos alles raushauen darf, das ist schon klasse.
Die Heulsusen werden sich schon wieder einkriegen. Sollen mal nicht so tun. Ich liebe sie ja.

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