Die Knallbar Diaries (4)

Für die, die mich noch nicht kennen – viele dürften es nicht mehr sein -: Mein Name ist Lew-Andre Knallbar. Beruf: (seit neustem) Bestseller-Autor. Verheiratet. Ja, Kinder.

Das Kreuz verrissen, heute morgen, in der Schwangerschaftsgymnastik. Keine Ahnung, wie das geschehen konnte. Einige Ladies haben gekichert, andere machten besorgte Gesichter. Ich konnte sie alle beruhigen: Nichts ernstes. Mein Buckel ist gestählt von all den fuckin’ Jobs, die ich machen musste, als ich noch ein armer  Niemand und ein Arschloch war.  Jetzt bin ich nur noch ein Arschloch, aber das fällt kaum jemandem auf. Auf Grund meines Bestsellers bin auch ohne Schwierigkeiten in diese Kiste mit den Schwangeren gekommen. Rechecherche, you know, für meinen neuen Roman.
Ich mag Schwangere, seh ihnen gerne zu, wie sie im Turnzeug ihre trägen Glieder verrenken. Sexy. Aber was noch viel wichtiger ist: Sie verströmen Hoffnung. Das Leben geht weiter. Wie ein gedünsteter Blumenkohl mit Butterbröseln.
Ihre Typen sind die typischen Mittelstandsloser. Unschwer zu erkennen, dass sie bei den Ladies nie mehr was zu melden haben, sobald das Kleine da ist.
Sie sitzen an der Wand entlang und unterhalten sich leise. Man hört immer wieder das Wort „Kreativität“. Die Losung der Loser.
Kreativität ist Nichts. Zumindest nicht diejenige, die sie meinen. Ist alles nur Gequatsche. Das einzige, was wirklich wichtig ist (abgesehen von einem fetten Kontostand), ist Antizipation. Kack auf Kreativität. Voraussicht, das isses. Wie der alte George Foreman, der gegen Gegner boxte, die halb so alt waren wie er. George wusste, welchen Schlag der Junge abfeuern würde, bevor der es wusste. Und schon hatte er den Konter drin.
Aber so schwallen die Typen über Kreativität und antizipieren nicht, dass bald ein Paradigmawechsel vonstatten geht. Na ja.

Warf meinem Lieblingsbettler heute nur einen Euro in den Becher. Seine letzten Zahnstummel, die er mir beim Zwani vorgestern alle hergezeigt hatte, blieben heute bedeckt. Er war beleidigt. In den nächsten Tagen werde ich ihm einen Huni in seinen schimmligen Pappbecher stopfen. Da werde ich dann Gelegeheit haben, all seine Stummel zu zählen.

Heute morgen wieder mal einkaufen gegangen. Ein Haufen alter Leute in Panik, die dich an der Kasse mit ihren Einkaufswagen anrempeln und versuchen, dich vorwärts zuschieben. Die machen mir Angst. Weil sie nicht wissen, wer ich bin. Die lesen keine Bücher mehr. Noch schlimmer: Die kaufen keine mehr. Da müsste mal jemand was dagegen tun. Werde mir den Einkauf von Amazon liefern lassen. Die Scheiße tu ich mir nicht mehr an.

Die Geschichte von Hans und dem Schimpansen beschäftigt mich. Hab ein bisschen was notiert. Der Roman ruht. Verleger Moss ruft an und erzählt mir, dass T. sich bei ihm über mich beschwert hat. Er habe noch nie einen solch unsensiblen Menschen wie mich getroffen. Geradezu herzlos.
Tolles Kompliment. Zumindest aus dem Mund von T.
Mein Sohn kommt aus der Schule. Er hat Schwierigkeiten mit dem Englischlehrer. Ich höre ihm zu, bis nichts mehr an Ärger in ihm drin ist. Mir fällt sonst nichts ein. Aber er kriegt das schon gebacken. Schule ist Scheiße. Das war schon zu meiner Zeit so.

Hab meinen Kontostand gecheckt. Ich kann’s kaum glauben, so schön ist der Anblick.

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