Die alte „Neue Achtsamkeit“

Wer in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrtausends versuchte ein ordentlicher Hippie zu sein, der las Hermann Hesse. Nebst dem Glasperlenspiel und dem Steppenwolf, zog er zumindest noch „Siddharta“ rein, eine  Bio Buddhas in Romanform.
Ich las Siddharta 1973. Als Laborantenlehrling und angehender Hippie – oder umgekehrt.
„Siddharta“ ist wohl das Buch, das die umittelbarste Wirkung auf mein Leben hatte, denn ich versuchte Siddahrta zu sein. Ich übte mich in Meditation, und in dem, was heute als „Neue Achtsamkeit“ den Psychomarkt überschwemmt.
Die Sache war einfach und zugleich richtig schwer: Man versuchte nur das zu tun, was man gerade tat.
Das ist in etwa die „Neue Achtsamkeit“, mit der heutige Konzerne ihren gestressten und überforderten Angestellten klarmachen, dass der Stress und die Überforderung ihr Problem sei.
Gut, ist es vielleicht auch.

Heute gibt es „mindfulness“ Gurus.
Wir kleinen, pickligen Hippielehrlinge machten das noch selber, brachten uns das selber bei: kraft des geschriebenen Wortes. Warum? Weil wir kleinen verkifften Hippies wahre Autodidakten waren. Freigeister. Antiautoritär, neugierig und selbstbestimmt und davon überzeugt, dass wir das auch so gebacken kriegen.

Irgendwann einmal, wie Bukowski am Ende seines Lebens bemerkte, beginnen die Wiederholungen. Und es soll, wie er meinte, dann auch nicht besser werden. Siddharta hin, mindfulness her.

Jedenfalls hat „Achtsamkeit“ das Zeug zum hässlichsten Wort der 10er Jahre.
Oder auch nicht.
Alles Maya, wie Buddha sachte.
Oder: Wurscht, wie der Wiener sogt.

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