Die „Jehudis“ und der Prediger

Pepita hatte ihr tantrisches Türsteherseminar abgebrochen und wollte nun gar nichts mehr von „Aral-Leibern“ und vedischen Konzentrationsübungen wissen, sondern lehnte wieder wie eh und je murschig in der Tür, für eine 17-jährige erstaunlich schlecht gelaunt, und pflaumte alles an, was so daher kam und Einlass in die Redaktion begehrte.

„Nö, Sie komme da nischt eini, auch wenn sie Gott persönlich wärent, und nicht nur…“ An dieser Stelle blickte sie angestrengt auf den Flyer, den ihr die ältere der beiden Damen in die Hand gedrückt hatte. „Ich meine, wer sind sie überhaupt? Und wer ist dieser Jehudi? Zeugen Jehudis??? San sie teppert, oder wie oder was?“

Aber da eilte schon Marky Mark herbei, nahm Pepita am Arm und flüsterte ihr was ins Ohr.
Lady, die gerade eine Pause machte, da alle Methschälchen befüllt waren und sich einen ihrer übelrechenden Blinis gönnte, die sie von einem Großonkel aus  Wladiwostock exklusiv zugeschickt bekam, beugte sich zu Oldie rüber, der sich zum Erstaunen aller nicht die Nase zuhielt, nickte anerkennend und sagte:“Der Prediger macht Mann aus dem Zniachtl.“
Oldie pflichtete ihr bei. „Der Prediger. A Hund is er scho, hä?“
Keine Ahnung was den Alten wieder ritt, aber man hatte auf seinem Tisch ein bayrisches Wörterbuch gesichtet.

Inzwischen hatte Pepita Marky Mark Platz gemacht und wir alle sahen ihn selbstbewusst, und unter Einsatz von einem beeindruckenden Satz ausladender Gesten, die beiden Damen von den Zeugen Jehovas über Gott belehren. Natürlich ergriffen alle die Gelegenheit das Pretending von Arbeit wieder mal ruhen zu lassen, um Marky Marks großen Auftritt nicht zu verpassen.

„Sie mögen als Eschatologen ja ein glückliches Leben führen, aber ich persönlich habe noch nicht entschieden, ob Gott nicht einfach ein riesiges Arschloch ist, das einen Sohn hatte, das er von ein paar dekadenten Römern hinschlachten ließ. Ob jetzt – nach ihrer Version, an einem Pfahl oder nach der unsrigen, am Kreuz, ist ja wohl Blunzn.“
An dieser Stelle gab es spontanen Applaus, wie nach einem Solo von Marky Marks Lieblingsbassisten Charlie Haden. Wir erkannten ihn nicht wieder, unseren herzigen, unmarkanten Lektor Marky Mark, der jetzt Ecken und Kanten hatte, dass man eine Flex brauchte, um sich an dem Kerle nicht zu schneiden.

„Ich halte mich an den Prediger. Und der sieht die Sache klar und nicht so optional optimistisch wie sie:

„Und ich richtete mein Herz darauf, dass ich lernte Weisheit und erkennte Tollheit und Torheit. Ich ward aber gewahr,dass auch dies ein Haschen nach Wind ist. Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämen, und wer viel lernt, der muss viel leiden.“

„A Hund is er scho, der Prediger!“, sagte Oldie voller Respekt und mit einem anerkennenden Nicken.
Wer wollte ihm da widersprechen?

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