Werktätiger begehrt Einlass

Pepita, unsere 17-jährige Türsteherpraktikantin lauerte im Zargen und feilte sich gerade ihre beste Waffe, den Fingernagel ihres rechten kleinen Fingers spitz, als ein Graukopf in blauen Latzhosen, beladen mit diversen kofferähnlichem Dingern und Plastiktaschen, Einlass begehrte.
„Du kommst hier nicht rein“, eröffnete ihm Pepita, sichtlich verärgert über die Störung ihrer Maniküre.
„Ich bin der Handwerker, der Sanitärinstallateur“, sagte der Blaue.
„Und wenn du …“ Pepita brach ab, überlegte. „Wurscht, mit der Latzhose kommst hier nicht rein, da arbeiten lauter anständige Leute. Wir brauchen hier keine um Asyl flehende Späthippies. Wird nämlich abgelehnt. Klar!?“
„I bins, da Sani“, quengelte der Blaue. „I muess die Therme checken…“
„Checken?“, sagte Pepita mit Eis in der Stimme. „Checken? Wir sprechen hier deutsch. Ist das klar, du Grauschlumpf.“
„“Jetzt will ich den Chef sprechen“, sagte der Blaue. Er machte nun auf forsch, aber sowas kommt bei Pepita einfach nicht gut.
„Chef gibts kaan“, sagte sie in allerbester Kottan-Manier.
„Ihr werdets doch wohl einen Chef haben“, insistierte der Blaue.
„Du hastzes gheert, Burli. Kaaan Chef nicht.“

In der Redaktion war es still, alle hielten den Atem an, niemand machte einen Muckser. Alle liebten Pepita. Jedenfalls heute. Zumindest gerade jetzt.
Denn wenn es etwas gab, was all die durchgeschossenen Querköpfe gemeinsam hatten, dann war es ihr Abscheu vor Handwerkern. Handwerker waren das Letzte, da waren sich alle einig. Außer die Typen, die am Weihnachtsabend um 23h30 anjockelten, um die Fontäne, die aus einem Rohr in der Küche sprühte, zu stoppen. Das waren die Guten. Die anderen sollten bleiben wo sie waren. Und so drückten alle Pepita die Daumen. Sie hatte gute Chancen es zu schaffen. Sehr gute. Auf jeden Fall… Na ja. Eigentlich hatte sie keine. Wer hat schon eine gegen Handwerker?
Aber es war einfach schön, dass sie es versuchte. Eine Anti-workingclass-Heroin. Oder Heroinin, oder was…

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