Falsch mureh kritisch

Ratlosigkeit in der Redaktion.
Beinahe minütlich schießen bei uns die Mails in die Box, in denen besorgte Menschen – die auch schon mal ein Buch des Verlages erstanden haben – sich erkundigen, warum wir denn nicht bei all diesen an jeder Ecke entstehenden Kleinverlagsschauen vertreten sind. Zum Beispiel bei dem Ding im Muqua oder bei den „Kritischen Literaturtagen am Yppenplatz“ oder warum wir nichts von den „Kritischen Literaturtagen in Salzburg“ gehört haben oder gar angefragt wurden?

Wir wissen es nicht.

Jemand meinte, dass wir vermutlich nicht kritisch genug sind, worauf der Oldie herumpflaumte, was das denn sei „ein kritischer Verlag“, und unsere 17-jährige Pepita, die gestern die Aufnahmeprüfung für das weiterbildende Türsteherseminar vergeigt hat, maulte, er soll sich doch brausen gehen, der Alte, sie, Pepita, stehe doch für Kritik und kritisches Mustern der Einlasswilligen, was die Lady, die unsere Meth-Schälchen befüllt, zu einem Kommentar provozierte, der unverstanden in ihrem Gehuste unterging und sie leider wieder mal ins Stolpern brachte, so dass wir unsere Jausenmethportion zum ungezählten Mal auf unseren Knien, durch extralange Trinkhalme vom Fußboden ansaugen mussten, Trinkhalme, die der Oldie von seinem letzten Ballermannbesuch von Malle mitgebracht hatte, ein Mitbringsel, das bei jedem Einsatz einen mächtigen Streit auslöst, weil Pepita behauptet es heiße Mallorka und nicht Maijorca, wie unser Oldie dauernd proletet. Na ja.

Dann, in die explosiv aufgeputschte Stille hinein, sagte jemand, dass wir schon kritisch seien, aber halt falsch.
Das brachte ganz hinten im Saal, dort, wo wir nur Spinnweben und den letzten Fingernagelschnitt von Jim Morrison vermuten, ein helles Lachen hervor und dann hörten wir den Spruch aus einem Woody Allen-Film: „Ich hatte einen Orgasmus. Aber es war der falsche.“

Kein Wunder, werden wir nie eingeladen. Oder um es mit einem paraphrasierten Wort (wir kennen schon geile Worte, was?) von Groucho Marx zu sagen: „Wir möchten nicht Aussteller an einer kritischen Verlagsschau sein, die uns als kritische Aussteller akzeptiert.“

Das wird uns bestimmt noch leid tun.

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