Listen to the wind

Dass unser Redaktionsoldie nicht zur Arbeit erschienen war, gab uns zu denken. Macht er sonst so nicht. Immer pünktlich, immer korrekt: Alte Schule. Und nun taucht er an drei Tagen nicht auf. Was war nur los? Musste man sich Sorgen machen? Ist ja nicht mehr der Jüngste, der Manno …

Aber dann, heute Morgen, kam er daher, sein Gesicht verschrieben mit den Abenteuern, mit denen er erst nicht rausrücken wollte, aber die Lady, die bei uns die Meth-Schälchen befüllt, die ist ja mit allen Wassern gewaschen, und nachdem sie ihm eine schöne, satte Line zurecht gerecht und dabei ihr Dekollte wunderbar ausgestellt hatte, brach es dann doch aus ihm heraus.
„Alles muss man selber machen!“, blaffte er laut, und in zwei Sekunden war er von den anderen Redaktionsmitgliedern umringt. Nur Pepita, unsere 17-jährige Türsteherpraktikantin lümmelte noch lau an der Tür herum, und tat so, als hätte sie zu arbeiten. Dauerte aber nicht lange und dann kam auch sie herangeschlappt.

„Was musstet du selber machen“, sagte die Meth-Lady honigsüß, was sonst überhaupt nicht ihre Art war, so dass alle sich ein wenig verwundert ansahen. „Sprich zu uns.“

Und dann erzählte er uns, wie er in Germany in den Sturm geraten war, und wie er fast 3-Tage und Nächte in Doblercity festsaß, und als es dann mit dem Zug weiterging, es dann doch nicht weiterging, nicht so richtig, und man für eine Strecke von 2 Stunden fast 6 Stunden brauchte.
Mit Zwischenstopps auf Bahnsteigen, in Stationen, von denen noch nie jemand etwas gehört hatte, und wie dann alle im bissigen, kalten Schneeregen standen und warteten; geduldig, gelassen, kuhäugig, freundlich, witzelnd, stur, stumpf, so dass der Oldie mit seinem Ärger darüber (den er mühsam verbarg) ziemlich alleine war, und ihm dabei klar wurde, dass diese Menschen alles hinnehmen würden. Vielleicht nicht gar alles, aber doch alles, und sie nie auf die Idee kämen, den kleinen Pimperlbahnhof in Brand zu setzen oder den Zug auseinanderzunehmen, nur damit die das nächste Mal nicht vergaßen ein bisschen Information über die Lage usw. auszugeben, damit wenigstens der Schein gewahrt wurde, nicht nur ein dummes Untertanentier zu sein.

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