Der Tag nach Charlie

Bedrückend. Ein Gefühl wie nach naineleven. Als wär in der Nachbarschaft was heftiges und grausames vorgefallen, und man fühlt es: Es wird nicht wieder sein wie zuvor.

Die Amerikaner waren in gewisser Weise besser dran, der Terror kam von außen und sie konnten etwas dagegen tun. Wir können nichts tun. „Die Zeit der Mörder bricht an“, schrieb Rimbaud und als ich es las, war das Attentat von Rechtsradikalen in Bologna (1980?) mit etwa 80 Toten, und in den Bahnhöfen detonierten manchmal Bomben und man dachte jedes Mal daran, wenn man in den Unterführungen an den Schließfächern vorbeiging. Das war so ein Gefühl. Zwischen all den Schließfächern. Später hat man sie verlegt und man geht nicht mehr automatisch an ihnen vorbei. Terror. Ja, Mann, wir sind verletzlich, immer und überall und das Schrecklichste steht plötzlich vor einem, nicht als Chimäre, sondern als plausible Möglichkeit.
Und in dieser Bedrückung ging ich heute los und fand mich auf dem Westbahnhof. Eine Stunde zu früh. Ich war eine Stunde zu früh losgegangen.
Ich holte mir einen Espresso von Subway, setzte mich in der schönen Bahnhofshalle an einen Tisch und las in der „Zeit“, wie man mich beim Olivenölkauf, brüsselkonform, betrügt.

Als ich dann in der geöffneten Schiebetür zum Bahnsteig stand, sprach mich eine junge Frau mit ländlichem Dialekt an und bat beinahe flehentlich um 3 Euro 10, die ihr fürs Ticket nach Hause fehlen würden. Ich gab sie ihr. Danach fühlte ich mich etwas besser. Denn hier ging es westliche, christliche Werte: Wer bittet, dem wird gegeben werden.
Daran halte ich mich.

Eine Antwort auf „Der Tag nach Charlie“

  1. Wir helfen, wo wir können. Man hilft wo man kann.

    Wenn der Wunsch nach Helfen verloren gegangen ist, wenn man nur noch töten möchte, wenn all das im Namen Gottes geschieht, dann kann uns nicht mehr geholfen werden.

    Liebe Grüsse

    an alle

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