„The summer’s gone, and all the roses falling“

Nun ist er durch. Hochoffiziell. Der Sommer. Ein Prachtkerl war er, wahrhaftig. So wenig gelitten habe ich in zwei Sommermonaten schon lange nicht mehr. Ich will mich nicht beklagen.

Von den ersten zwei Wochen in den Bergen, hat es einmal 7 Tage am Stück nonstopp gelättet. Bei 6 Grad Celsius schob ich das eine und das andere Scheit in den Ofen. Sowas macht Laune und man holt die Gitarre, kramt das Johnny Cash Songbook unter den ungelesenen Büchern hervor, und bringt sich neue Songs bei. Geht nicht mehr vor die Tür und sieht durch die beschlagenen Fenster dem Nebel (dem weißen Neger Wumbaba) zu, wie er aus dem Lauterbrunnetal zu uns emporwabert. Action. Pur.

Auch ist genügend Zeit um sich eingehend zu fragen, warum man dieses Haus je wieder verlässt? Nur um sich in Geiselhaft von Presslufthämmern, kläffenden Kötern und unfreundlichem Supermarktpersonal zu begeben. Ja. Warum eigentlich?

Blöd, dass man nicht Thor Kunkel heißt. Und von irgendwoher die krasse Marie hat, um sich auf 2000 Metern Höhe im Wallis (in Worten: im Wallis!!!) ein schmuckes Haus bauen zu lassen, wo man dann den Montagnarden gibt und ein Buch darüber schreibt. – „Wanderful, mein neues Leben in den Bergen“ – ein feines Buch, zumindest so lange, wie es im vom Autor inzwischen verhassten Berlin spielt. Das kommt gut. Weit besser als die Berghistörchen mit Schneeschippen und Wanderungen und herbeifabulierten menschlichen Begegnungen. Schade. Denn dann ist der Kunkel einfach nur ein weiterer Deutscher mit fetter Kohle und biederen Träumen in den Schweizer Alpen. Man möchte ihm, dem Lobhudler der Schweizer-Walliser-Eigenständigkeit, das Buch des verfemten, inziwschen verstorbenen Walliser Dichters Maurice Chappaz ans Herz legen: „Die Zuhälter des ewigen Schnees“. (War mal ein Verlagskollege von mir, der Chappaz, vor vielen – gefühlten – hundert Jahren.)

Der sah die Sache mit der Walliser Eigenständigkeit, und so, ein bisschen anders.
Mais, ce n’est pas mon probleme, monsieur Günggel, c’est le votre.

Und hier, zum Abschluss, sehen wir noch den Redaktionsoldie, wie er sich ein paar Mücken dazu verdient, nächtens, bei Mondenschein, in einem Park, irgendwo am Fuße der Berge, wo er einem angsoffenen Publikum auf Heurigenbänken eine „Gute-Nacht-Geschichte“ vor trägt. Kein Glanzlicht seiner zerlatschten Laufbahn, aber der Mond war super und kein einziger Presslufthammer in Aktion. Damit muss man sich zufrieden geben. Wenn man sich kein eigens Haus in den Bergen leisten kann …

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