Schweiz. Sommer.

Heute, der verirrte Regenwanderer vor meiner Hütte: Ich lud ihn auf einen Tee ein.
Wir saßen draußen auf der Veranda, tranken Tee und sogen den narkotischen Duft der gewaltigen Linde ein und blickten freundlich in das Nebelgespinst, das aus dem Tal die Steilwand hochgeschoben wurde. Dann sagte er: „Ja, der Sommer. Das ist nur noch was für Verrückte. Wie im Fernsehen. Erst siehst du die Leute bei den abartigen Hitzewellen in den Freibädern um einen Kübel Wasser kämpfen, in dem sie stehen können, dann, ein bisschen später, siehst du sie wieder, wie sie mit dem Kübel den Schlamm aus ihren Kellern schöpfen.“

„Stimmt“, sagte ich. „Das hat was. Aber wenigstens steht ihnen beim Schlamm schippen, keiner auf den Zehen. Wollen Sie noch einen Tee?“
Er wollte. Dann ging er. Ich sah ihm nach, wie er bei den Schafen stehenblieb und mit ihnen sprach. Diese Schafe! Stehen seit Tagen in dem Dauergeschütt und glotzen einen an, wenn man vorbei geht. Aus meiner Laborzeit weiß ich, dass Wolle zwanzig Prozent ihres Gewichts an Wasser aufnehmen kann, ohne sich feucht anzufühlen. Wie meine Kehle, dachte ich, ging wieder rein und legte ein Buchenscheit nach und hörte weiter dem Rauschen des Regens zu …

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