Schweiz. Berge.

In den Bergen.
Chinesen. Bramahnen. Stylische Saudis und ihre Frauen im Niqab. Chassidische Juden mit Kippa und ihre Buben mit Schäfenlocken. Junge Chinesen spielen auf ihren Smartphones bunte Spiele, während die Bahn eines der bemerkenswertesten Panoramas ever, wieder einschlürft. Nun ja, wer soll denn da noch kucken?, gibts ja alles auf Video, Plakaten und Werbetrailern. Vielleicht ohne die Schweizer Familie am Wegesrand, die fleißig den Hitlergruß einübt. (Ist ja seit neuestem erlaubt.) Oder zeigen sie nur alle gleichzeitig auf den langen, langen Wasserfall von der Grütschalp?

Dann bin ich unten im Haus, und all das gibt es nicht mehr. Sitze auf der Veranda und puste meinen Atem in die Welt und die Welt pustet zurück. Ich denke an die Schmach, dass ich niemals die Unendlichkeit verstehen werde, die schwarzen Löcher und die Ausdehnung des Weltalls. Scheiße, wa!? Ich könnte jetzt sagen, ich verstehe ja nicht mal eine Chinesin mit Smartphone, aber das wäre zu billig, und billig, mes chers, ist hier gar nichts, was ich inzwischen als angenehm empfinde, denn wo’s teuer ist, ist’s meistens auch ruhig, denn der Lärm ist das Privileg der Jugend und der Billigkeit. Also. Ich beklage mich nicht. Ich singe. Ich habe eine Gitarre und singe „Danny Boy“ und „If could read my mind“ und „For the good times“.

Wenn niemand zuhört, schäme ich mich nicht meiner Stimme, bin entspannt und treffe die Töne ebenso gut wie Harry Dean Stanton, der mir gezeigt hat, wie man singt.

Okay, Freunde. Hier sind die Berge. Ich höre nur das Rauschen des kleinen Brünnibachs. Und das Radio. Jemand liest was aus einem neuen langweiligen Schweizer Roman. Und niemand erklärt dies zur Tautologie. Nicht in den Bergen.

Dann denke ich noch ein wenig an die Walser, die aus dem Wallis über den Alletschgletscher kamen um diese Ecke hier zu besiedeln. Ein Mysterium. Über die Gletscher! Mit ihrem Vieh und den Säuglingen und ihrer Habe. Es ist ein Geheimnis, wie das der Pyramiden und Stonehenge. Nur interessant.
Oder wie die Chinesin mit ihrem Smartphone, auf dem Weg zum ewigen Eis auf dem Jungfraujoch.

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