Intermezzo (3.)

Pepita, unsere 16-jährige Türsteherpraktikantin, trat heute Morgen ihren Dienst mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht an. Dieses Grinsen und ihre Blicke galten dem Redaktionsoldie, unserem „Haus-Schweizer“, der schließlich nicht mehr an sich halten konnte, und sich vor Pepita aufbaute.
„Wos is?“, fragte er in seinem besten Wienerischsurrogat, das aber sehr kärntnerisch rüberkam. Pepita grinste noch eine Spur frecher, trat einen Schritt zurück und hob den Arm – zum Hitlergruß.
„Heil“, rief sie zackig und das ganze Redaktionsteam erstarrte. Die Lady, die für das Auffüllen der Chrystal Meth Tellerchen zuständig ist und Vulgarität von Herzen verabscheut, kriegte einen Hustenanfall. Sie brachte das Tellerchen nicht schnell genug hinter ihren Rücken  – eine weiße, blastige Wolke umhüllte sie nun, und die Luft schmeckte auf einmal bitter.
„Is nicht meine Gesinnung“, sagte Pepita triumpfierend, „also ist’s wohl cool, Schweizer, odrrrr?“
„Nix is cool“, sagte der Oldie grob, leckte sich die Lippen und dehnte witternd die Nasenflügel. „Hat wieder wer das Meth verschüttet, was?“
„Jawoll!“, brüllte Pepita, schlug die Hacken zusammen und hob ein zweites Mal den Arm. Diejenigen Redaktionsmitglieder die sich gerade vom ersen Schock erholt und sich wieder ihrer  „Arbeit“ zuwandten, erstarrten ein zweites Mal. Nur die Meth-Lady hatte wohl so etwas erwartet, und das Pulver weiter weggestellt. Husten musste sie trotzdem.
„Merk dir eins, Meitli, hör auf mit dem Seich, wir sind hier nicht in der Schweiz – noch nicht!“
Jemand rief laut:“Bravo!“, Pepita verging das Grinsen und der Oldie ging leise vor sich hinfluchend hinüber in den Boxraum und zog sich die Sackhandschuhe an …

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