Übers Türe schließen

Am Abend klopfte Henk an meine Tür und kam herein. Er trug etwas unter seinem rechten Arm. Erst hielt ich es für einen Liegestuhl, aber dann, als er das Ding bei der Badewanne aufgeklappt hatte, sah ich, dass es ein dreiteiliger Paravent war. Sah sehr japanisch aus. Ikea-japanisch. Reispapier zwischen dunkel gebeizte Holzrahmen gespannt. Nur war es bestimmt kein Reispapier, sondern blindes PVC, abwaschbar, pflegeleicht, Müll. Danach nahm sich Henk wortlos einen Stuhl und setzte sich an den Tisch. Da er die Tür nicht hinter sich zugezogen hatte, blickte ich in Erwartung dass Lucinda ihm folgen würde, in diese Richtung, aber es folgte ihm niemand nach.

„Haste auch‘n Ei für mich“, sagte er und blickte mir nach, wie ich die 15 Meter Weg unter die Füße nahm um die Tür zu schließen. Solche Aktionen hasste ich. Hinter jemandem die Tür schließen. Die offene Tür ist niemals Verheißung, sondern immer nur eine Story ohne Pointe. Man kann es in amerikanischen Filmen sehen: in den Szenen werden die Türen nach dem Betreten des Raums nicht geschlossen. Ich habe Verständnis dafür, denn das Schließen einer Tür ist ein äußerst defensiver Akt, eine Verzögerung des Handlungsflusses, und verdammt noch mal, welcher Hero kann es sich leisten eine Tür zu schließen, ohne seinen Glamour einzubüßen? Da fielen mir nicht viele ein. Bogart hätte es gekonnt. Denn alles was er tat, wirkte gefährlich, selbst das Schließen einer Tür. Vielleicht Daniel Day-Lewis. Aber Türschließen war nun mal hauptsächlich der Job der Hausfrau. Oder der von Warmduschern. Und Losern, wie mir. Wobei ich aber nur so tat, um eine falsche Fährte zu legen.“

Aus „Country Dämon“

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